Angeblich Angriffe mit Strahlung auf US-Botschaften: Dutzende neue Fälle in Wien

Seit Jahren sorgen rätselhafte Verletzungen von Botschaftsangehörigen in den USA für Rätselraten. Nun gibt es jede Menge neue Fälle in Österreich.

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Die US-Botschaft in Wien ist streng gesichert.

(Bild: Gugerell, CC0 1.0)

Von
  • Martin Holland

Die mysteriösen angeblichen Angriffe mit Strahlung auf nordamerikanische Botschaftsangehörige gehen offenbar weiter und konzentrieren sich inzwischen auf Österreichs Hauptstadt Wien. Dort hätten US-Verantwortliche in den vergangenen Monaten etwa zwei Dutzend Fälle gezählt, berichtet das US-Magazin New Yorker unter Berufung auf anonyme Quellen. Das seien mehr als in jeder anderen Stadt außer Havanna, wo die rätselhaften Verletzungen von Diplomaten und Diplomatinnen erstmals registriert wurden. Die werden nach zwischenzeitlichen Zweifeln inzwischen wieder auf Technik zurückgeführt, in einem Untersuchungsbericht war im vergangenen Jahr von gezielten, gepulsten Hochfrequenzwellen die Rede.

Erstmals hatten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen diplomatischer Vertretungen der USA und Kanadas in Kuba 2016 und 2017 über Lärm aus unbekannten Quellen geklagt. Der sei so ohrenbetäubend gewesen, dass sie nicht mehr arbeiten konnten. Langfristige Folgen wie Übelkeit, enorme Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schlafschwierigkeiten und Gehörverlust waren dazu gekommen. Später hatte es auch Fälle in China und anderswo gegeben. Schon früh war über Angriffe mit unbekannten Waffen spekuliert worden, zwischenzeitlich waren aber auch Grillen als Ursache ausgemacht worden – wobei es die nur in Kuba gibt. Eine FBI-Abteilung meinte dagegen laut New Yorker, es handle sich um eine Art Massenhysterie, überarbeitet die Analyse aber derzeit. Auch die US-amerikanische National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine hatte die Geschehnisse geprüft und Strahlung als plausibelste Ursache bezeichnet.

Monate nach der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden habe es den ersten Fall in Wien gegeben und inzwischen seien dort mehr als 20 Fälle hinzugekommen, schreibt das US-Magazin nun. Offiziell ist demnach von "Vorfällen" die Rede, privat spreche aber etwa CIA-Chef William Burns von "Angriffen". In Verdacht hat man demnach russische Geheimdienste, die einer Hypothese zufolge mit unbekannten Geräten versuchen würden, Daten abzugreifen. Für beides sei aber bislang kein Beweis gefunden worden. Österreichs Außenministerium versicherte nun gegenüber Reuters, an der Untersuchung der jüngsten Vorfälle mitzuarbeiten. Die Hauptstadt der Alpenrepublik ist bis heute ein Zentrum der internationalen Diplomatie, in dem deshalb auch besonders fleißig Spionage betrieben wird.

(mho)