Angriff auf die Anonymität: Polnische Gesichtssuchmaschine PimEyes in der Kritik

Mit PimEyes lassen sich Gesichter im Internet suchen. Politiker aus dem Deutschen Bundestag fordern eine Regulierung des polnischen Startups.

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Bei heise-online-Redakteur Martin Holland funktioniert PimEyes erstaunlich gut. Bei der Autorin des Artikels erscheinen ausschließlich Gesichter anderer Frauen.

(Bild: Screenshot_PimEyes/mho)

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Politiker von Regierung und Opposition im Deutschen Bundestag fordern eine Regulierung des polnischen Startups PimEyes. Dieses analysiert Gesichter auf Fotos, die man hochlädt, durchwühlt das Internet und zeigt angeblich passende Bilder. Auf ihrer Webseite schreibt das Unternehmen, die Datenbank umfasse 900 Millionen Gesichter.

Netzpolitik.org hat sich die Suchmaschine angeschaut und sagt, sie analysiert massenhaft Gesichter und speichert die biometrischen Daten, PimEyes sei ein umfassender Angriff auf die Anonymität. Die Suchmaschine liefere zwar keine Namen, über die angezeigten Seiten, von denen vergleichbare Fotos kommen, ließe sich aber einiges an Informationen herausfinden. Das Missbrauchspotenzial ist groß.

Aufgrund der Recherchen haben sich zuständige Politiker geäußert. Tankred Schipanski, digitalpolitischer Sprecher der Union im Bundestag hat der dpa gesagt: "Wenn (eine Regulierung) auf Ebene der EU zeitnah nicht gelingen sollte, müssen wir hier als nationaler Gesetzgeber tätig werden." Jens Zimmermann von der SPD fordert eine genaue Prüfung und sagt: "Wollen wir wirklich in einer Gesellschaft leben, in der Anonymität im öffentlichen Raum de facto nicht mehr möglich ist?" Auch Anke Domscheit-Berg von der Linken bewertet PimEyes als "hochgefährlich" und wandte sich an den Bundesdatenschutzbeauftragten, Ulrich Kelber. Die Suche und Datenbank könnte gegen die Datenschutzgrundverordnung verstoßen. Darin heißt es, dass die Verarbeitung biometrischer Daten zur eindeutigen Identifizierung einer natürlichen Person untersagt ist.

Laut Netzpolitik möchten auch YouTube und Instagram juristisch gegen die Suchmaschine vorgehen, da sie sich unter anderem an deren Inhalten bedient. Weil Gesichtserkennung ein sehr heikles Thema ist, hat IBM kürzlich angekündigt, sie nicht mehr anzubieten und mahnt zu einem verantwortungsvollen Einsatz der Technik, insbesondere in der Strafverfolgung. Man selbst werde den Einsatz sämtlicher Technik nicht mehr unterstützen und dulden, die Massenüberwachung und rassistische Behördenkontrollen (Racial Profiling) und Menschenrechtsverletzungen ermöglichen.

Während in den USA biometrische Gesichtserkennung des umstrittenen Unternehmens Clearview AI von manchen Strafverfolgungsbehörden genutzt wird, ist es europäischen Strafverfolgern, wenn es nach dem Datenschutzrecht geht, verboten, so eine Analyse des Europäischen Datenschutzausschusses (EDSA). Clearview AI soll eine Datenbank mit etwa drei Milliarden Bildern von Menschen aus dem Internet zusammengesammelt haben. Auch hier forderten Google, Facebook und Twitter zur Löschung der dort kopierten Fotos auf. Eine Liste der Kunden ist Clearview Anfang des Jahres abhanden gekommen, sie zeigt, dass es sich vornehmlich um Ermittlungsbehörden handelt. Gegen das Unternehmen laufen seither privatrechtliche Klagen, zudem ermitteln Strafverfolgungsbehörden im US-Bundesstaat Vermont.

PimEyes soll auf Nachfrage von Netzpolitik.org zahlreiche Änderungen auf der Seite vorgenommen haben. So soll der Dienst plötzlich dem Schutz der eigenen Privatsphäre dienen: "Lade dein Foto hoch und finde heraus, wo dein Gesicht im Internet erscheint." Ähnlich hatte Facebook argumentiert, die Suche nach dem eigenen Gesicht innerhalb des Netzwerks ist inzwischen standardmäßig deaktiviert.

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(emw)