Anomalie nicht zu beheben: ESA gibt Erdbeobachtungsatelliten Sentinel-1B auf

Die Europäische Weltraumagentur ESA und die EU-Kommission geben Sentinel-1B auf. Der Erdbeobachtungssatellit kann seit dem Jahreswechsel keine Daten sammeln.

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So soll Sentinel-1B eigentlich die Erde per Radar vermessen.

(Bild: ESA/ATG medialab)

Von
  • Martin Holland

Alle Versuche der ESA, den Erdbeobachtungssatelliten Sentinel-1B wieder in Betrieb zu nehmen, sind gescheitert – seine Mission wird beendet. Die Ende des vergangenen Jahres bemerkte Anomalie könne nicht behoben werden, es sei nicht mehr möglich, Radardaten der Erdoberfläche zu liefern. Das teilte die Europäische Weltraumagentur jetzt mit und erklärte, dass Sentinel-1C im zweiten Quartal 2023 gestartet werden soll. Den Ausfall des wichtigen Satelliten könne man auch dank des Rückgriffs auf Daten anderer europäischer Erdbeobachter zumindest teilweise kompensieren, darunter den deutschen TerraSAR-X. Während man daran arbeite, den Nachfolger so schnell wie möglich ins All zu bekommen, plane man auch bereits die Entsorgung von Sentinel-1B.

Sentinel-1B gehört zum Erdbeobachtungsprogramm Copernicus der Europäischen Union und ist einer von zwei Radarsatelliten, die zusammen die Erdoberfläche im Blick haben. Die beiden halten Ausschau nach kleinsten Umweltveränderungen, etwa beim Abschmelzen von Gletschereis, dem Wandel der Landnutzung oder dem Zustand der Regenwälder, aber auch nach vorübergehenden Phänomenen wie Öllecks. Anhand der millimetergenauen und regelmäßigen Vermessung der Erdoberfläche lassen sich sogar Vulkanausbrüche vorhersagen. Sentinel-1A war 2014 gestartet, Sentinel-1B folgte ihm im April 2016. Sie sollten mindestens sieben Jahre lang arbeiten, das Ziel hat nun nur der erste der beiden erreicht. Dem in den Startlöchern stehenden Nachfolger Sentinel-1C soll noch Sentinel-1D folgen.

Schon nach dem Ausfall zum Jahreswechsel war klar, dass die Energieversorgung für die Radarinstrumente nicht mehr in Betrieb genommen werden konnte. Mit verschiedenen Herangehensweisen habe man seitdem versucht, das Problem zu beheben, wird in einem Abschlussbericht erläutert. Leider seien alle Versuche gescheitert, gesteht die ESA ein. Inzwischen gelte das Bauteil als nicht mehr zu reparieren und die Mission als nicht mehr zu retten. Stattdessen habe man unter anderem den Beobachtungsplan für Sentinel-1A angepasst, um mögliche Datenlücken zu schließen. Weil Sentinel-1B weiterhin gesteuert werden kann, soll er in einen Parkorbit verlegt werden. Wenn Sentinel-1C im Orbit ist, soll die Entsorgung seines Vorgängers dann in die Wege geleitet werden. Die werde dann insgesamt etwa neun Monate in Anspruch nehmen.

(mho)