Anonymous-Hacker nach 10 Jahren Flucht verhaftet

Commander X steht vor einem US-Gericht. Der angebliche Anonymous-Hacker ist in Mexiko gefasst worden. Er bezeichnet seine Auslieferung als illegal.

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Maskierte Person trägt Kaputzenpullover

(Bild: Pierre Rennes CC BY 2.0)

Von
  • Andreas Knobloch

Einen Schlag gegen Anonymous meldet das US-Justizministerium. Nach fast einem Jahrzehnt auf der Flucht sei der als Commander X der Hackergruppe Anonymous bekannte Christopher Doyon am 11. Juni in Mexiko festgenommen und umgehend in die Vereinigten Staaten abgeschoben worden. Bereits letzten Dienstag hat er dort vor einem US-Bundesgericht erscheinen müssen.

Doyon hält seine Abschiebung aus Mexiko in die USA für rechtswidrig: "Bitte sagen Sie der Welt, dass ich illegal aus Mexiko überstellt wurde, wo ich politisches Asyl hatte und wo ich ein humanitärer Flüchtling war. Ich wurde im Schutze der Dunkelheit außer Land gebracht", sagt er in einer Aufnahme, die seine Schwester Amy Beth Doyon in Sozialen Netzen veröffentlicht hat. Sie bittet zudem den mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador, sich für die Freilassung ihres Bruders einzusetzen.

Dem heute 56-Jährigen Amerikaner werden eine DDoS-Attacke gegen den Landkreis Santa Cruz und das Nichterscheinen zu einer Gerichtsverhandlung im Jahr 2012 zur Last gelegt. In Summe drohen ihm bis zu 17 Jahre Haft mit anschließender Überwachung sowie sechsstellige Geldstrafen. Laut der zehn Jahre alten Anklageschrift hat Doyon im August 2010 an der Operation Peace Camp teilgenommen. Dabei kampierten mehr als 50 Menschen vor dem Bezirksgericht Santa Cruz Countys, um gegen ein Verbot von Obdachlosenlagern zu protestieren.

Doyon soll geholfen haben, den zweimonatigen Protest zu organisieren. Als die Polizei Anfang Oktober 2010 versuchte, die Demonstration aufzulösen, war Doyon einer von fünf Demonstranten, die wegen "Schlafens in der Öffentlichkeit" im Zusammenhang mit dem Protest verhaftet wurden.

Drei Monate nach den Protesten legten Unbekannte die Webseite des Santa Cruz County mittels einer Distributed Denial of Service (DDoS)-Attacke lahm. Die Staatsanwaltschaft behauptet, dass Doyon und andere mit der Attacke die Auflösung des Protestcamps vergelten wollten. Eine in Massachusetts ansässigen Gruppe namens People's Liberation Front (PLF) soll den Angriff koordiniert haben. Diese Gruppe sei mit der Hackergruppe Anonymous verbunden - und eine Internetdomain der PLF war unter Doyons Namen registriert.

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Doyon wurde verhaftet und im September 2011 auf Bundesebene angeklagt (USA v. Christopher Doyon et Joshua John Covelli, US-Bundesbezirksgericht für das Nördliche Kalifornien, Az. CR 11-00683). Gegen Kaution kam Doyon auf freien Fuß. Anstatt im Februar 2012 vor dem Bundesgericht zu erscheinen, floh er nach Kanada, wie kalifornische Medien berichten.

Obwohl Doyon seither auf der Flucht war, hatte er keine Skrupel, seine Geschichte zu erzählen. In dem 2016 veröffentlichten Buch Behind the mask  gab er aus der Ich-Perspektive Einblicke in die Abläufe Anonymous'.

Eine vom kanadischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender TVO produzierten Dokumentation mit dem Titel The Face of Anonymous zeigt Doyon, wie er eine Kopie der Anklageschrift schwenkt. In einem Interview mit TVO behauptete er, der erste US-Amerikaner zu sein, dem in Mexiko politisches Asyl gewährt wurde. Dorthin war Doyon Ende 2017 gelangt, nachdem er zuvor sieben Jahre größtenteils in Toronto auf der Straße gelebt hatte.

(ds)