"Anti-Apple-Gesetz": EU-Kommission will einheitliche Ladekabel einführen

Alle Hersteller von Smartphones, Kopfhörern, Fitnesstrackern & Co. sollen einheitlich Aufladen per USB-C-Kabel ermöglichen. Es trifft vor allem Apple.

Lesezeit: 4 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 617 Beiträge

(Bild: bodnar.photo/Shutterstock.com)

Von
  • Stefan Krempl

Per Gesetz will die EU-Kommission dem Kabelsalat in der digitalen Gerätewelt doch noch endgültig ein Ende bereiten. Sie hat am Donnerstag einen Entwurf zur Harmonisierung der Richtlinie über Funkanlagen veröffentlicht, wonach Hersteller etwa von Handys, Tablets, Laptops, Kopfhörer und Digitalkameras auf ein einheitliches Ladeverfahren setzen müssten. Als Standard ist dafür der aktuell am weitesten verbreitete USB-C-Anschluss vorgesehen.

Auch Geräte wie E-Reader, Fitnesstracker, Handheld-Spielekonsolen und tragbare Lautsprecher mit ähnlichem Ladebedarf fallen unter den Gesetzentwurf. USB-C hat sich für Smartphones & Co. faktisch bereits als Standard durchgesetzt. Nur Apple sperrte sich bislang, seinen iPhones eine solche Buchse zu verpassen. Der US-Konzern setzt hier auf den selbst entwickelten Lightning-Anschluss. Apples Tablets und Laptops verfügen dagegen bereits über USB-C-Anschlüsse. Beobachter sprechen daher von einem "Anti-Apple-Gesetz".

Apple führte stets ins Feld, eine verpflichtende, einheitliche Ladebuchse sei ein Innovationshemmnis. Ein Zwang zu einem USB-C-Anschluss würde auch Geräte komplett ohne Stecker verhindern. Apple hat dem iPhone 12 kein Ladekabel mehr beigelegt und setzt mittelfristig auf eigene Drahtlos-Ladelösungen. Auch Huawei, OnePlus, Vivo und Xioami wandeln auf diesem Pfad, was wieder verstärkt zu proprietären Ansätzen führen könnte.

Passend zu solchen aktuellen Entwicklungen will die Kommission generell Anreize setzen, dass Hersteller ihren Geräten gar keine Ladekabel und -adapter mehr beilegen. Sie hofft dabei, dass Kunden etwa nur ein Mobiltelefon erwerben, wenn sie schon ein passendes Ladekabel dafür haben.

Bei der Reform geht es zunächst nur um die Buchse am Smartphone oder anderen aufladbaren Geräten. Das externe Netzteil am anderen Ende des Kabels, das den Strom aus der Steckdose umwandelt, will die Kommission ebenfalls vereinheitlichen. Dies soll aber erst später mit der geplanten Novelle der Ökodesign-Verordnung erfolgen, von der weitere Geräte betroffen sein dürften.

Schnelles Laden einzelner Geräte soll generell weiter ermöglicht werden. Die Verbraucher würden auch in die Lage versetzt, Ladeleistung und Interoperabilität des elektronischen Geräts und der Ladeeinheit leichter zu vergleichen und sie so in geeigneter Weise zu kombinieren, heißt es in dem seit Langem erwarteten Entwurf. Dafür sollen die Hersteller unter anderem die Höchstleistung in Watt angeben, die das Gerät benötigt, um optimal aufzuladen.

Die Kommission betont, das Vorhaben ziele darauf ab, eine "offene und interoperable Lösung zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig technologische Innovationen zu ermöglichen". Der Entwurf fördere Neuerungen bei kabelgebundenen und drahtlosen Ladetechnologien. Eine Übergangszeit von 24 Monaten vom Datum der Annahme der Richtlinie soll der Industrie ausreichend Zeit geben, ihre Prozesse vor dem Inkrafttreten der Regeln anzupassen.

Insgesamt soll der Rechtsakt 980 Tonnen Elektromüll und viel Rohmaterial pro Jahr vermeiden helfen, schätzt die EU-Regierungsinstitution. Bürgern blieben damit Ausgaben von bis zu 250 Millionen Euro pro Jahr erspart. Die neuen Maßnahmen werden sich laut der Kommissioneinschätzung aller Voraussicht nach auch vorteilhaft auf die Umwelt auswirken, indem sie die Treibhausgasemissionen um etwa 180 Kilotonnen CO2-Äquivalente pro Jahr verringern.

Das EU-Parlament und der Ministerrat müssen der Initiative noch zustimmen. Um Elektroschrott zu reduzieren, bestanden auch die europäischen Abgeordneten bereits wiederholt auf einem einheitlichen System für Ladegeräte. Eigentlich bestehen schon seit Jahren EU-Vorgaben, wonach Hersteller von Mobiltelefonen, Tablets und anderer das Funkspektrum nutzender Geräte ihren Kunden einen universellen Ladestecker mitliefern sollen. Bislang stand dabei aber die Selbstregulierung im Vordergrund. Apple befolgte die nicht wasserdicht formulierten Auflagen so bislang nur teilweise.

EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton sprach von den "täglichen Elektrogeräten", die erfasst würden. Viele der mitgelieferten Stecker landeten nur in Schubladen. Über zehn Jahr habe sich die Brüsseler Exekutive bereits für gemeinsame Ladestecker stark gemacht. Damit habe sie die Masse von 30 seit einigen Jahren auf drei – auch mit Micro-USB – heruntergebracht. "Mehr Freiheit, weniger Kosten und einfachere Nutzbarkeit" sprächen für den Vorschlag. Der Franzose beklagte, er selbst müsse für sein normales Smartphone und sein Krypto-Handy immer zwei Ladekabel mit sich herumschleppen.

(jk)