App Store: Apple reicht Digitalsteuer an Entwickler durch

iOS-Entwickler müssen sich auf geringere Einnahmen in bestimmten Ländern einstellen: Apple legt erste Digitalsteuern auf App-Verkäufe um.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 83 Beiträge

(Bild: dpa, Andy Wong/AP)

Update
Von
  • Leo Becker

Unter Verweis auf neue Digitalsteuern kürzt Apple die Erlöse für App-Entwickler: Bei Verkäufen in Frankreich und Italien zieht der iPhone-Konzern nun zusätzlich zum jeweils gültigen Mehrwertsteuersatz eine Digitalsteuer in Höhe von jeweils 3 Prozent vom Verkaufspreis ab, in Großbritannien sind es 2 Prozent. Vom verbleibenden Nettobetrag behält Apple bis zu 30 Prozent Provision ein, der Rest wird an Entwickler ausgeschüttet.

Für App-Verkäufe an deutsche Nutzer erhalten Entwickler vorerst etwas höhere Auszahlungen, da Apple den seit Juli vorübergehend von 19 Prozent auf 16 Prozent gesenkten Mehrwertsteuersatz berücksichtigt, wie der Konzern in einem Rundschreiben an Entwickler mitteilte. Eine Digitalsteuer wird in Deutschland bislang nicht fällig.

Die Preise, die Endkunden letztlich für Abonnements und Einkäufe im App Store zahlen, ändern sich in Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien nicht, wie der iPhone-Konzern anmerkt. Die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland gibt Apple bei seinen eigenen Diensten ebenfalls nicht an die Kunden weiter, die Preise – etwa für Apple-Music-Abos oder iCloud-Speicherplatz – haben sich bislang nicht geändert.

Als eine Idee hinter der Digitalsteuer gilt, dass IT-Riesen wie Apple, Google, Amazon und Facebook auch dort Steuern zahlen sollen, wo Umsätze entstehen. Einzelne Länder haben inzwischen solche eine Abgabe eingeführt, auf EU-Ebene war die Einführung aber gescheitert. Die Digitalsteuer werde oft als Besteuerung von "Big Tech" bezeichnet, schreibt der "Financial Times" Korrespondent Tim Bradhaw, tatsächlich seien es aber "die Kleinen, die dafür letztlich aufkommen". Auch Google hat auf seiner Werbeplattform Preisanpassungen in mehreren Ländern angekündigt, wie die Financial Times berichtet, die Digitalsteuer wird dort auf Werbetreibende umgelegt.

Apple will auch für App-Verkäufe in der Türkei eine neue Digitalsteuer in Höhe von 7,5 Prozent berücksichtigen, dort sollen aber auch – neben Mexiko, Chile und Saudi-Arabien – die Preisstufen angepasst werden, die Entwickler beim Verkauf ihrer Apps wählen können.

[Update 2.9.2020 17:20 Uhr] Gegenüber Entwicklern teilte Apple mit, man wolle für Abonnements mit Verlängerungsautomatik den gesenkten Mehrwertsteuersatz in Deutschland an Kunden zurückerstatten – auf monatlicher Basis. Diese Rückerstattungen sollen die Entwickler-Erlöse nicht mindern. Ob auch für Apples eigene Abo-Dienste eine Rückerstattung geplant ist, bleibt vorerst unklar.

Lesen Sie auch

(lbe)