App-Stores: Südkorea bricht das Bezahl-Monopol von Apple und Google

Künftig ist es Apps in Südkorea erlaubt, direkte Zahlungen anzubieten, Google und Apple verlieren so ihre Provision. Das Gesetz könnte Signalwirkung haben.

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(Bild: Tada Images/Shutterstock.com)

Von
  • Leo Becker

Erstmals bedroht ein Gesetz Apples und Googles milliardenschwere App-Store-Geschäftsmodelle. Die südkoreanische Nationalversammlung hat am Dienstag einer geänderten Fassung des Gesetzes für Telekommunikationsgeschäfte zugestimmt, gegen das die beiden US-Konzerne bis zuletzt Sturm liefen: Es kippt Googles und Apples verpflichtende Vorgabe zur Verwendung der hauseigenen Bezahlschnittstelle in Apps, über die beiden Plattformbetreiber beim Verkauf digitaler Inhalte eine bis zu 30 Prozent reichende Provision einbehalten.

Das Gesetz soll Betreibern großer App-Läden in Südkorea künftig untersagen, die Integration ihrer In-App-Bezahlschnittstellen zu erzwingen. Entwicklern und App-Anbietern steht damit offen, eine eigene Bezahlmöglichkeit in Apps zu integrieren. Die geänderte Fassung des Gesetzes untersagt App-Store-Betreibern außerdem, eine Zulassung von Apps in unfairer Weise zu verzögern oder diese rauszuwerfen, wie das Wall Street Journal berichtet. Der Präsident Moon Jae-in müsse das Gesetz jetzt noch unterzeichnen.

In Apples App Store ist der Verkauf digitaler Inhalte über andere Bezahlschnittstellen seit jeher untersagt, in Googles Play Store ließ sich eine ähnliche Vorgabe lange Zeit aber durch Apps (außer Spiele) umgehen.

Im vergangenen September hat Google solche Workarounds verboten, was auch in Südkorea zu erheblicher Verärgerung bei App-Anbietern und letztlich auch zu der nun in die Wege geleiteten Gesetzesänderung führte. Der Gesetzesentwurf wurde ursprünglich unter anderem von lokalen Medien als "Anti-Google-Gesetz" geführt. Eine Verletzung kann Strafen von bis zu 3 Prozent des örtlichen Jahresumsatzes der Unternehmen nach sich ziehen.

Google hatte im Vorfeld gewarnt, das "übereilte Prozedere erlaubt keine Analyse der negativen Auswirkungen auf Endkunden und App-Entwickler in Südkorea". Apple sieht durch die Öffnung der Bezahlschnittstelle eine Bedrohung für Sicherheit sowie Datenschutz und einen damit einhergehenden Vertrauensverlust, der zu weniger In-App-Umsätzen führen könnte.

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Das südkoreanische Gesetz könnte Signalwirkung für Regulierungsbehörden in anderen Ländern haben, die Apples und Googles App-Vorgaben bereits prüfen – darunter auch die EU-Kommission. In den USA hat Fortnite-Macher Epic Games im vergangenen Jahr eine direkte Bezahlmöglichkeit in sein Spiel integriert, damit einen Rauswurf aus App Store und Google Play provoziert und beide Firmen daraufhin unmittelbar verklagt. Ein erstes Urteil im Fall Epic vs. Apple wird in Kürze erwartet.

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(lbe)