Apple TV+: Shows und Filme voller Apple-Produkte

Eine Untersuchung zeigt, wie häufig der iPhone-Hersteller seinen Streamingdienst zur Bewerbung eigener Geräte nutzt. So kommen in 74 Episoden 300 iPhones vor.

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"Ted Lasso" ist nicht nur erfolgreich als Serie, die Show dient Apple auch als Reklamefläche.

(Bild: Apple)

Von
  • Ben Schwan

Wozu dient Apples Streamingdienst Apple TV+? Natürlich zum einen dazu, Menschen mit exklusivem Serien-, Film-, Doku- und Talkshow-Material anzulocken, die dann eine Abogebühr von 5 Euro im Monat zahlen und Apples Servicegeschäft zu neuen Umsatzhöhen verhelfen. Zum anderen scheint der Netflix-Konkurrent aber auch ein Werbeprogramm zu sein – nicht für fremde Produkte in irgendwelchen Reklameblöcken, sondern für Apples hauseigene Angebotspalette selbst. Das geht zumindest aus einer neuen Untersuchung hervor, die das Wall Street Journal durchgeführt hat.

Die in New York erscheinende Wirtschaftszeitung machte sich die Mühe, insgesamt 74 Episoden der beliebtesten Inhalte bei Apple TV+ anzusehen (Dauer: mehr als 40 Stunden) und die enthaltenen Apple-Produkte zu zählen. Darunter waren Emmy-Gewinner "Ted Lasso", "Defending Jacob", "Trying", oder "The Morning Show". Das Ergebnis, das das WSJ in einen Video zusammenfasst, ist eindeutig: Apple TV+ ist ganz augenscheinlich die Heimat der Apple-Geräte.

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In allen angesehenen Folgen kamen laut der Analyse 120 MacBooks, 40 AirPods verschiedener Bauart sowie insbesondere mehr als 300 iPhones vor. Daneben sind Beats-Produkte zu sehen. Subtil geht Apple hier keineswegs vor: In einer einzigen Folge der aktuellen Hitcomedy "Ted Lasso" hantieren die Schauspieler mit sage und schreibe 36 Apple-Produkten. Die Geräte seien "strategisch platziert", heißt es in dem Bericht.

Damit erinnert das Vorgehen an Apples bisheriges Hollywood-Ausleih-Projekt. Dort bekommen bekannte Filme und Serien kostenlos Produkte vom iPhone-Hersteller, doch dürfen die beispielsweise nicht in Szenen vorkommen, wo sie "Baddies" (negativ besetzte Charaktere) verwenden könnten. Bei den Apple-TV+-Shows zeigt sich dies etwa in der Form, dass eine Antagonistin in "Mythic Quest" nur mit PC-Laptops herumläuft und in einer FaceTime-Corona-Episode ihre AirPods aufgrund ihres Haarschnitts nicht zu sehen sind. In "Defending Jacob" benutzt ein Kinderschänder und Mörder wiederum ein Android-Handy statt eines Apple-Produkts (selbige verwenden nur positiv besetzte Charaktere).

Product Placement ist im TV mit großen Auflagen verbunden. Im Kino und bei Streamingdiensten sind die Regeln aktuell noch lockerer. Dennoch fragt man sich, warum Apple derart "on the nose" vorgeht, den Menschen seine Geräte teils förmlich aufdrängt. Product Placement scheint Apple aber nicht nur für Apple-Produkte zu machen. So kommen in der Gaming-Serie "Mythic Quest" auch Razer-Produkte vor.

(bsc)