Apple-Veteran erzählt: Warum das erste iPhone fast ohne SIM-Slot erschienen wäre

In seinem neuen Buch verrät "iPod-Vater" Tony Fadell Anekdoten und Geschichten aus seiner Apple-Zeit. Einige davon sind überraschend.

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Tony Fadell

Tony Fadell hat eine lange Karriere hinter sich – jetzt ist er (auch) Autor.

(Bild: dpa, Marc Müller)

Von
  • Ben Schwan

Warum hat der iPod sein berühmtes Clickwheel erhalten? Welche besonderen Entscheidungen traf Steve Jobs bei der Gestaltung des ersten iPhones? Und wie entstehen bei Apple die wichtigen Designs?

Diese und andere Fragen beantwortet Tony Fadell, ehemals leitender Mitarbeiter Apples, späterer Nest-Gründer und Google-Mitarbeiter in seinem neuen Buch "Build", das gerade in den USA erschienen ist. Sehenswert sind auch die begleitenden Interviews und Tweets zu dem Werk, das Apple-Nutzern einiges an Hintergrundwissen zur Entstehung wichtiger Produkte vermittelt. Fadell gilt schließlich als Vater des iPods und war auch für die ersten drei iPhone-Generationen mitverantwortlich.

Im Rahmen des Erscheinens von "Build" verriet der Ingenieur nun Details zum Apple-Design. So soll das Clickwheel des iPods dadurch entstanden sein, dass Marketingchef Phil Schiller einst ein DECT-Telefon von Bang & Olufsen mit in ein Meeting brachte, das über ein ähnliches Bedienelement verfügte. Apples Variante war dann allerdings deutlich fortschrittlicher. In einem Interview verriet Fadell weiterhin, Steve Jobs hätte eigentlich geplant, im ersten iPhone keinen SIM-Kartenslot einzubauen. Zur damaligen Zeit gab es das nur bei CDMA-Telefonen, einem Standard, der in Europa kaum verwendet wird. Durchsetzen konnte sich Jobs allerdings nicht, denn die meisten iPhones nutzten GSM – und hier gehört die SIM-Karte dazu. Erst mit Einführung der eSIM könnte die Streichung des Slots erfolgen – doch auch heute noch haben iPhones den Steckplatz.

Fadell hat selbst eine spannende Lebensgeschichte hinter sich. Von 2001 bis 2008 war der Ingenieur, der einen Abschluss in Computertechnik von der University of Michigan hat, für Apple tätig. Zunächst war er an Apple nur "ausgeliehen" und Vertragsarbeiter. Er gestaltete die Grundzüge der iPod-Linie mit einem Konzept, das er einst bei Philips Electronics zu verwirklichen versuchte und später mit einem eigenen Start-up auf den Markt bringen wollte. Doch erst Apple interessierte sich für die Idee.

Schließlich wurde Fadell Teil einer "Special Projects"-Gruppe, die im Eiltempo den iPod entwickelte. Später wurde er VIzepräsident für das iPod-Engineering und dann sogar Senior Vice President im Segment. Ab Mitte der Nullerjahre beschäftigte er sich zunehmend mit Apples Smartphone-Plänen und gilt als "Co-Creator" des iPhones. 2008 kam es dann zum Abgang von Apple, Fadell gründete das Smart-Home-Start-up Nest, das schließlich von Google gekauft wurde. Heute arbeitet er vor allem als Investor und Philanthrop.

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(bsc)