Apple macht Vollbremsung bei Firmenübernahmen

Für neue Produkte kaufte Apple alle paar Wochen eine andere Firma ein. Inzwischen hat der Konzern die Ausgaben für Übernahmen massiv zurückgefahren.

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Eine Apple-Brille

(Bild: Girts Ragelis / Shutterstock.com)

Von
  • Leo Becker

Während andere IT-Konzerne Milliarden für große Übernahmen ausgeben, bleibt Apple bei Firmenaufkäufen auf der Bremse stehen: In den vergangenen neun Monaten hat der Konzern nur knapp 170 Millionen US-Dollar für Übernahmen aufgewendet, wie aus einer Eingabe an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht. Bekannt wurden im laufenden Jahr bislang nur zwei Apple-Übernahmen: Dazu gehört ein britisches Banking-Startup, das die Kreditwürdigkeit anhand von Kontoaktivitäten prüft sowie ein KI-Tool für Audiowerbung und Musikanpassung. Im vorausgehenden Jahr kaufte Apple Primephonic, einen Streaming-Dienst für klassische Musik, der bald als Apple-App zurückkehren soll.

Über ein Jahrzehnt war Apple auf großer Einkaufstour, für die Übernahme von Beats Electronics zahlte Apple 2014 rund 3 Milliarden US-Dollar und erkaufte sich damit den Einstieg in das Geschäft mit Musik-Streaming-Abos. Von 2015 bis 2020 verleibte sich das Unternehmen dann nach eigener Angabe rund 100 Firmen ein, das entspreche etwa einem Deal alle drei bis vier Wochen, wie Apple-Chef Tim Cook damals erläuterte. Apple kaufe kleine Firmen und Teams, um "Produkte voranzubringen".

Allein im Geschäftsjahr 2020 verzeichnete Apple noch 1,5 Milliarden US-Dollar für Firmenübernahmen, 2021 wurden die Ausgaben plötzlich massiv auf nur noch 33 Millionen US-Dollar zurückgefahren. Sollte Apple in den nächsten Wochen keinen spektakulären Riesenkauf durchführen, werden die Ausgaben auch im Geschäftsjahr 2022 überschaubar bleiben.

Analysten spekulieren immer wieder über solche Milliarden-Deals: Als mögliche Übernahmekandidaten wurden Branchenriesen von Netflix bis Tesla oder auch Filmstudios und Medienkonzerne gehandelt. Zugeschlagen hat Apple bislang jedoch nie, auch wenn Cook mehrfach betonte, man habe "keine Angst" vor Übernahmen jeglicher Größe.

Gründe für das drastische Zurückfahren von Firmeneinkäufen nannte Apple bislang nicht. Der Konzern scheint derzeit insgesamt vorsichtiger und sparsamer zu agieren. Aber Apple dürfte auch den Gegenwind von Regulierungsbehörden scheuen: Selbst kleine Übernahmen werden inzwischen argwöhnisch beäugt.

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(lbe)