Apple schult Manager im Kampf gegen Gewerkschaften

Mit speziellen Aussagen sollen höhere Angestellte in US-Läden des iPhone-Konzerns gecoacht werden, um den gewerkschaftlichen Organisationsgrad kleinzuhalten.

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Mitarbeiter in einem Apple-Laden – hier in Berlin.

(Bild: Apple)

Von
  • Ben Schwan

Apple versucht in den USA offenbar, Mitarbeiter davon zu überzeugen, besser keine lokalen Gewerkschaften zu gründen. Der Konzern soll mehreren Managern in den Ladengeschäften dazu detaillierte Anleitungen als Argumentationshilfe gegeben haben, mit denen ihre Angestellten von der Idee abgebracht werden sollen, berichtet der IT-Newsdienst Motherboard.

Im Mai wurde bekannt, dass es Apple-Mitarbeitern in einem Laden in Atlanta erstmals gelungen war, eine eigene Arbeitnehmervertretung zu gründen. Das scheint den iPhone-Konzern zu beunruhigen, weshalb er nun auf eine neue Initiative von oben setzt. In dem internen Memo an die Leitungsebene mehrerer Apple Stores soll es unter anderem heißen, dass es im Falle einer gewerkschaftlichen Organisierung "zu schlechteren Sozialleistungen und geringeren Karrierechancen" kommen könne.

Die Argumente erinnern an ähnliche Papiere großerer anderer US-Konzerne etwa im Supermarkt-Bereich. Auch hier heißt es stets, dass sich eine Gewerkschaft zwischen Unternehmen und Mitarbeiter stellen könnte. Das bringe dann "weniger Chancen", "weniger Flexibilität" sowie Beförderungen nur noch nach Jahren der Mitarbeit, "nicht mehr nach Leistung". Apple reagiert mit dem Memo auf Versuche unter anderem in New York und Maryland, lokale Gewerkschaften zu gründen. Dazu muss zunächst eine demokratische Wahl unter den Mitarbeiter stattfinden.

Apple fordert seine Manager weiterhin auf, an den Teamgeist der Mitarbeiter zu appelieren. "Was einen Apple Store großartig macht ist ein Team, das gut miteinander arbeitet. Das kann nicht immer funktionieren, wenn eine Gewerkschaft die Teammitglieder vertritt", so das Memo. Apple will Manager, die von gewerkschaftlichen Aktivitäten hören, zudem näher beraten und ihnen weitere Tipps geben. Es gehe stets darum, den Mitarbeitern klar zu machen, dass eine Gewerkschaft dazu führe, "dass die grundsätzliche Art, wie wir hier arbeiten, sich ändern könnte".

Die Aktivitäten des iPhone-Konzerns gegen eine gewerkschaftliche Organisierung seiner Mitarbeiter ist typisch für US-Großunternehmen. Allerdings widerspricht sie – so könnte man zumindest meinen – den breit publizierten "Social Justice"-Bemühungen Apples, in die die Firma mittlerweile Millionenbeträge investiert. Zuletzt wurde bekannt, dass Apple in den USA spezielle Anwaltskanzleien engagiert hat, die sich auf die Verhinderung von Gewerkschaften spezialisiert haben.

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(bsc)