Apples App-Store-Vergleich stößt bei Entwicklern auf Kritik und Hohn

Mit kleinen Zugeständnissen versucht Apple, das bedrohte App-Store-Geschäftsmodell zu schützen. Unter Entwicklern sorgt das für Kopfschütteln und Verärgerung.

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(Bild: Mr.Whiskey/Shutterstock.com)

Von
  • Leo Becker

Der geplante außergerichtliche Vergleich in einem Kartellverfahren gegen Apple stößt bei Softwareanbietern auf scharfe Kritik und Spott. Apples "Betrugs-Vergleich" ändere nichts an den "strukturellen Problemen" des App Stores, die Wettbewerb und Innovation verhindern würden, teilte die "Coalition for App Fairness" mit. Hinter der Organisation stehen prominente App-Store-Kritiker wie Epic Games, Spotify und Tinder-Betreiber Match Group.

Apple will künftig nicht mehr verbieten, dass Entwickler ihre Nutzer etwa per E-Mail über billigere Preise außerhalb der App informieren. Ein Verweis beispielsweise auf billigere Abos im Web bleibt in den Apps selbst (oder per Push-Nachricht) allerdings untersagt, um Apples In-App-Bezahlschnittstelle nicht zu untergraben: Nur an allen darüber abgewickelten Käufen und Abonnements verdient Apple eine Provision.

Dass Entwickler ihre Nutzer künftig auf billigere Preise außerhalb der App hinweisen dürfen, sei "kein Zugeständnis", meint die Coalition for App Fairness, sondern es unterstreiche nur Apples "totale Kontrolle über den Marktplatz". Auch die vielfach geforderte Integration eigener Bezahlschnittstellen in Apps bleibt von Apple untersagt.

Bei Indie-Entwicklern und kleineren Entwicklerstudios stieß das Settlement auf Kopfschütteln und Hohn: Wen müsse er denn bei Apple kontaktieren, um die "Liste mit E-Mail-Adressen der gemeinsamen Kunden zu erhalten", spottet der altgediente Mac- und iOS-Entwickler Craig Hockenberry in Anspielung darauf, dass Entwickler im App Store keinen direkten Kundenkontakt haben, weil nur Apple die Downloads abwickeln darf.

Besonders Apples Darstellung der Einigung als Verbesserung des App Stores stieß auf Unverständnis: "Ihr wisst, dass das nichts ändert, wir wissen, dass es nichts ändert, für wen führt ihr das Schauspiel dann auf?", fragt der Overcast-Entwickler Marco Arment. Andere Entwickler machen sich darüber lustig, dass Apple im Rahmen des Settlements verspricht, die seit langem verrufene App-Store-Suche für mindestens die nächsten drei Jahre nicht zu verändern.

Die Entwickler hatten Apple in der 2019 eingereichten Klage ursprünglich Missbrauch der Marktmacht vorgeworfen. Apple habe ein Monopol auf den Vertrieb von iPhone-Apps, da diese nur im App Store vertrieben werden dürfen, so könne kein Wettbewerb entstehen. Durch die "überhöhte Provision" schmälere Apple zudem die Gewinne der Entwickler und schwäche den Markt für bezahlte Apps. Weitere fast identisch aufgebaute Klagen sind anhängig.

In Gerichtsunterlagen teilte Apple nun mit, man sei sich sicher, die Klage letztlich zu gewinnen – wolle aber lieber mit den Entwicklern zusammenarbeiten, statt einen Rechtsstreit gegen diese zu führen. Im Rahmen der Einigung stimmen die Kläger dann zu, dass sie Apples Provision für angemessen halten und ihnen dadurch nicht "zu viel berechnet wurde". Zur außergerichtlichen Einigung fehlt noch die Zustimmung der zuständigen Richterin Yvonne Gonzalez Rogers, die auch dem großen Rechtsstreit zwischen Fortnite-Macher Epic Games und Apple vorsitzt.

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(lbe)