Apples Sonder-Deal für Video-Apps: Geringere Abgaben, eigene Zahlungsmittel

Was Epic Games den Zugang zum iPhone kostete, erlaubt Apple Video-Diensten: Sie zahlen eine geringere Provision und dürfen selbst abrechnen.

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(Bild: dpa)

Von
  • Leo Becker

Apple hat neue Details zu seinem "Video Partner Program" veröffentlicht, das zwei der umstrittensten App-Store-Regeln entschärft: Teilnehmer des Programms müssen stets nur 15 Prozent des veranschlagten Preises als Provision an Apple abtreten – statt sonst 30 Prozent im ersten Jahr bei Abo-Diensten. Die Video-Partner des iPhone-Konzerns dürfen zudem Inhalte über ihre eigene Bezahlschnittstelle abrechnen, so dass für diese Käufe keine Provision an Apple gezahlt werden muss.

Eine solche Integration einer eigenen Bezahlschnittstelle ist im App Store sonst strikt untersagt. Die versteckte Einführung einer direkten Zahlungsmöglichkeit kostete jüngst erst den Fortnite-Macher Epic Games den Zugang zum iPhone: Erst wurde das Spiel aus dem App Store entfernt, dann der Entwickler-Account des Anbieters von Apple dichtgemacht. Die Unternehmen stecken inzwischen tief in einem Rechtsstreit und machen auch öffentlich gegeneinander mobil. Apple verglich die Umgehung der eigenen In-App-Bezahlschnittstelle mit Ladendiebstahl.

Öffentlich bekannt wurde das Video-Partnerprogramm erst im Frühjahr 2020, weil Nutzer bei Amazon Prime Video plötzlich Inhalte über ihr bei Amazon hinterlegtes Zahlungsmittel kaufen konnten – statt über ihren Apple-Account. Der iPhone-Konzern sprach damals von nur drei App-Anbietern, für die es Sonderkonditionen gebe. Inzwischen sind es über 130 Video-Dienste, die das Partnerprogramm nutzen, wie Apple jetzt mitteilte – man biete das schon seit 2016 an, heißt es nun.

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Zu den Teilnehmern gehören Apples Liste zufolge bekannte Anbieter wie Amazon Prime Video, Disney+, HBO Max, Joyn und Dazn. Der Sonder-Deal setzt voraus, dass Video-Dienste auf iOS und dem Apple-TV-Betriebssystem tvOS mit einer App vertreten sind, sich umfassend in Apples TV-App integrieren und weitere Apple-Techniken wie Siri, universelle Suche und AirPlay unterstützen. Zudem müssen die Video-Dienste auch Apples Bezahlschnittstelle In-App-Purchase (IAP) integrieren, sodass Neukunden direkt in der App ein Abo abschließen können, an dem Apple dann auch 15 Prozent mitverdient. Anbietern scheint auch hier untersagt, auf externe Möglichkeiten zum Abschluss eines Abonnements zu verweisen – etwa mit einem Link auf die eigene Webseite.

Apples Sonder-Deal für Videodienste war bereits Thema bei einer Kartelluntersuchung des US-Repräsentantenhaus, in deren Rahmen Apple-Chef Tim Cook befragt wurde. Man behandle alle Entwickler gleich, betonte Cook dort, musste aber wenig später dann den Sonder-Deal einräumen. US-Medienkonzerne haben daraufhin ebenfalls bessere Konditionen für ihre Apps eingefordert: Apple schade mit den "Gebühren und wettbewerbswidrigen Praktiken" gerade "vertrauenswürdigen Nachrichtenangeboten" und dränge Verlage so in eine "düstere Werbewelt", argumentierte ein Branchenverband im August. (lbe)