Apples Stage Manager: Ex-Apple-Mitarbeiter plaudert Herkunft aus

Ein langjähriger Entwickler hat darauf hingewiesen, dass die Idee für das neue Fenstermanagement bereits 2006 in macOS vorhanden war – allerdings nur kurz.

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Ein Reto-Feature? Stage Manager von heute war schon vor 16 Jahren vorgesehen.

(Bild: Apple)

Von
  • Ben Schwan

Als Apple am letzten Montag macOS 13 alias Ventura vorstellte, bekamen manche langjährige Mac-Nutzer ein Déjà-vu-Gefühl: Die neue Funktion zum Fenstermanagement, die Softwareboss Craig Federighi präsentierte und die auf den Namen Stage Manager (zu Deutsch ungefähr: "Bühnentechniker") hört, gab's doch irgendwie schon mal? Und tatsächlich war das so: Sie tauchte als "Always-on Exposé" zumindest kurzzeitig in internen Vorabversionen von macOS Leopard im Jahr 2006 auf. Das hat ein langjähriger Apple-Entwickler in seinem Blog ausgeplaudert.

Der Beitrag, der – womöglich auf Apples Bitten – inzwischen nur noch über die Wayback-Maschine des Web-Archivs zugänglich ist, führt auf, was Apple damals wollte – und wo die Unterschiede zur heutigen Stage-Manager-Inkarnation lagen. Die Idee damals: Eine neue Möglichkeit, aktuell laufende Apps und ihre Fenster zu managen, ohne dass man dafür die Exposé-Funktion zum Fensterüberblick oder gar das macOS-Dock benötigt. Und im Prinzip ist diese Funktionalität von "Always-on Exposé", das den schrägen Codenamen "Shrinkydink" getragen haben soll, auch bei Stage Manager – das es auch für bestimmte iPads gibt – gleich geblieben.

Selbst die Optik von damals und heute unterscheidet sich nur marginal. In der Mitte sieht man die aktuellen Fenster, auf der linken Seite des Bildschirms werden sie in einer Übersicht gezeigt, inklusive Icons. "Always-on Exposé" bot jedoch noch eine weitere Funktion: Hatte eine App mehrere Fenster geöffnet, wurden diese auf der rechten Seite präsentiert. Die Idee von früher war es, Nutzern, die mit dem Fenstermanagement nicht zurechtkamen, eine Hilfe an die Hand zu geben. Nun ist es der einzige Weg, um beim iPad in ihrer Größe veränderliche Fenster zu nutzen, auf dem Mac ist es einfach eine weitere Möglichkeit, diese zu steuern.

Immerhin: Stage Manager ist laut dem anonymen Ex-Apple-Mitarbeiter, der sich Cricket nennt und 20 Jahre unter anderem an macOS und iOS gearbeitet hat, "ausgefeilter und kompakter" – auch, weil "Always-on Exposé" nicht genügend Ressourcen vom des Human Interface Team bei Apple zur Verfügung gestellt worden waren. "Stage Manager sieht visuell wirklich sehr nett aus", schreibt Cricket. Es sei nun zudem eher ein Power-User-Feature – wobei dies wie erwähnt nicht fürs iPad geht, wo Apple die Nutzung praktisch erzwingt, wenn man "richtige" Fenster auf dem Tablet möchte.

Cricket freut sich zumindest, dass "sein" Feature, das er selbst so lange auf seinem Rechner verwendet habe, wie es ging, es nun auf alle Macs und M1-iPads schafft: "Sag niemals nie!" Laut Aussagen von Apples Softwareboss Craig Federighi steckte hinter Stage Manager unter anderem ein Entwickler, der sich zuvor mit dem Single-Window-Modus in der Mac OS X Public Beta beschäftigt habe – die ist noch älter als "Always-on Exposé" alias "Shrinkydink": 22 Jahre.

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(bsc)