Arbeitnehmerwünsche: Flexibel, online und in geschützten Büros

Das Unternehmen Owl Labs hat eine Umfrage unter mehreren tausend Menschen in Europa veranlasst. Die befragten Deutschen wünschen sich weniger Bürozwang.

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(Bild: Andrey_Popov / Shutterstock.com)

Von
  • Kristina Beer

Der Videokonferenztool-Entwickler Owl Labs hat in einer eigens beauftragten Umfrage Hinweise auf mehr Wunsch nach Flexibilität und hybriden Arbeitsplatzmodellen in Deutschland gefunden. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden laut Umfrage einen Mix aus Homeoffice- und Büroarbeitsplätzen bevorzugen, möchten hier aber nicht in starren, sondern in flexiblen Modellen arbeiten – auch in Bezug auf die zeitliche Einteilung der Arbeit. Zudem wünschen sie sich mehr Unterstützung ihrer Arbeitgeber für die reibungslose Tätigkeit im Homeoffice.

Die Befragung wurde zusammen mit dem Umfrage-Unternehmen Vitreous World durchgeführt. Für Deutschland standen 2.000 Menschen Rede und Antwort, die in Vollzeit tätig sind.

Laut Owl Labs hat die zunehmende Flexibilisierung und Abkehr von einer starren Anwesenheitspflicht unter anderem für Menschen, die in den vergangenen zwei Jahren ihren Job gewechselt haben, die oberste Priorität (48 Prozent). Die Umstände, die am ehesten dazu führen, dass Jobinteressenten ein Stellenangebot nicht annehmen, seien laut Umfrage: keine flexiblen Arbeitszeiten (39 Prozent), kein flexibler Arbeitsort (26 Prozent) und die Verpflichtung, Vollzeit im Büro zu arbeiten (26 Prozent).

Als besonders attraktiv gelten für die Befragten Unternehmen, die eine 4-Tage-Woche (45 Prozent), flexible Arbeitszeiten (38 Prozent), unbegrenzten Urlaub (28 Prozent) und eine flexible Wahl des Arbeitsorts (28 Prozent) anbieten.

44 Prozent der Befragten waren sich aber auch sicher, dass die Arbeitskräfte bevorteilt werden, die im Büro arbeiten – sie also mehr Mitspracherecht und Chancen auf Entwicklungsmöglichkeiten haben. Die Hälfte der Befragten gab außerdem an, dass sie eher mit anwesenden Personen ins Gespräch kommt und eher diese nach ihrer Meinung gefragt werden. Trotzdem zeigten sich 74 Prozent der Befragten besorgt, dass ihr Unternehmen Arbeitsplätze, Richtlinien oder Anforderungen nicht an die (neue) Hybridarbeit anpasst.

Die Bereitschaft für flexible Arbeitsplatzmodelle seitens der Arbeitgeber und auch die Ausstattung der Arbeitsplätze bereiten Arbeitnehmerinnen und -nehmern Sorgen.

(Bild: Owl-Labs State of Hybrid-Work 2022, Germany)

Für viele Arbeitskräfte sei flexibles Arbeiten inzwischen nämlich unverzichtbar – auch die Produktivität wird von 62 Prozent der befragten Arbeitskräfte als gleichwertig bis höher eingeschätzt. So stellt Owl Labs fest, dass insbesondere diejenigen, die aktuell Vollzeit aus der Ferne arbeiten, zwar – sofern es von ihnen verlangt wird – ins Büro zurückkehren, sie sich aber sofort nach einem neuen Job umsehen würden (59 Prozent). 8 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden sogar direkt kündigen.

Wie gut das Remote-Arbeiten im Homeoffice läuft und wie zufrieden diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer seien, hänge – so die fast einhellige Meinung (94 Prozent) – maßgeblich von den Unternehmen und deren Führungskräften ab. Führungskräfte befürchteten allerdings bei remote-Arbeitenden, dass diese abgelenkt würden (23 Prozent), es mehr Missverständnisse in Teams geben könnte (22 Prozent), die informelle Kontaktpflege leide (22 Prozent), zu wenig Transparenz darüber herrsche, wie und wann das Team arbeite (21 Prozent) oder auch, dass der Team-Zusammenhalt Schaden nehme (21 Prozent).

Als produktiver (27 Prozent) oder gleichwertig produktiv (34 Prozent) empfanden der Großteil der Führungskräfte die Remote-Teams, 27 Prozent denken, dass ihr Remote-Team weniger produktiv ist.

Die Mehrheit der Führungskräfte ist zufrieden mit der Arbeitsleistung der Remote-Teams.

(Bild: Owl-Labs State of Hybrid-Work 2022, Germany)

Meetings, ob nun online oder offline, werden von den befragten Arbeitskräften nahezu gleichermaßen als zum Teil überflüssig empfunden. 36 Prozent sahen das bei Online-Meetings so, 32 Prozent bei analogen Besprechungen.

Die Remote-Arbeit könne aus Sicht der Arbeitskräfte seitens der Unternehmen etwa durch die Kostenübernahme für das Homeoffice-Equipment (51 Prozent), flexible Arbeitszeiten (44 Prozent), eine Erstattung von erhöhten Nebenkosten (für zum Beispiel Strom oder Kaffee, 43 Prozent), die flexible Wahl des Arbeitsorts (39 Prozent) und wöchentliche Team-Meetings (26 Prozent) unterstützt werden und so für mehr Zufriedenheit sorgen.

Befragt zu den Arbeitserfahrungen in den vergangenen zwei Pandemie-Jahren, erklärten 59 Prozent, dass sie nie Vollzeit im Büro arbeiten mussten. 90 Prozent der Befragten, die während der Pandemie remote in ihre neue Stelle eingearbeitet wurden, fühlten sich auch gut unterstützt.

Die zunehmende Rückkehr in die Büros sehen die Befragten eher skeptisch. 81 Prozent der Arbeitskräfte, die derzeit aus der Ferne oder hybrid arbeiten, gaben an, dass sie sich bei der Rückkehr ins Büro wohler fühlen würden, wenn zumindest bestimmte Hygienemaßnahmen eingeführt würden, zum Beispiel vorgeschriebene Impfungen für alle (28 Prozent), negative Covid-19-Tests vor Eintritt ins Büro (26 Prozent) und kontrollierte oder häufige Reinigung bzw. mehr Handdesinfektionsstationen (26 Prozent). Auch größere Büroräume (20 Prozent) und mehr Platz zum "Socializen" (23 Prozent) werden gewünscht.

73 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die nach der Pandemie wieder in Vollzeit vom Büro aus arbeiten mussten, kehrten tatsächlich zurück. Jedoch suchten 32 Prozent der 18- bis 34-Jährigen und 19 Prozent der über 35-Jährigen in der Folge nach einer neuen Arbeitsstelle, die hybride Arbeitsformen bietet. Viele der Befragten loteten bei der Rückkehr ins Büro Möglichkeiten für mehr Flexibilität mit dem Arbeitgeber aus, bevor neue Stellen gesucht werden.

Insbesondere Frauen zeigten in der Umfrage einen größeren Drang nach mehr flexibler Arbeit als Männer. So gaben 42 Prozent der befragten Frauen an, dass sie bei ihrem derzeitigen Unternehmen bleiben würden, wenn dieses flexible Arbeitszeiten anbieten würde. 35 Prozent der befragten Männer sagten das Gleiche. Owl Labs führt diesen sichtbaren Unterschied darauf zurück, dass Frauen heutzutage immer noch einen Großteil der Care-Arbeit leisten und somit auch auf mehr Flexibilität angewiesen sind.

Owl Labs hat seinen Sitz in Boston und entwickelt Videokonferenztools, die unter anderem ein 360°-Erlebnis ermöglichen können. Das Unternehmen ließ für seine Studie insgesamt 10.000 Vollzeitbeschäftige aus europäischen Ländern befragen; jeweils 2.000 aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und den nordischen Ländern (damit sind zusammengenommen Schweden, Finnland, Norwegen und Dänemark gemeint). Die Daten wurden im Februar 2022 erhoben.

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