Arch Conf 2020: Die Linux-Distribution Arch skizziert ihre Zukunft

Dieses Jahr fand die Arch-Linux-Konferenz online statt. Zum Auftakt stellten bekannte Maintainer die Zukunftspläne für die Distribution vor.

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(Bild: Arch Linux Conf 2020 / conf.archlinux.org)

Von
  • David Wolski

Was kann Arch Linux besser machen als andere Linux-Distributionen? Beim ersten Talk der Arch Conf 2020, die am vergangenen Wochenende online stattfand, widmeten sich die führenden Köpfe des Projekts eben dieser Frage. Dabei stimmte Arch-Linux-Projektleiter Levente Polyak Mitstreiter und Anwender auf Änderungen in der Entwicklung von Arch Linux und innerhalb der Distribution ein, die teils schon in der Umsetzung oder sogar im Abschluss sind.

In der Arch-Entwicklung, so Polyak, sei eine Vereinheitlichung der momentan ganz unterschiedlichen und teils stark veralteten Projekt-Werkzeuge notwendig. Eine selbst gehostete Gitlab-Instanz soll für Ordnung sorgen. Zudem ist eine Modernisierung bei der Pflege der offiziellen Pakete im Gange, und eine Optimierung fertiger Pakete für ausgewählte Prozessoren innerhalb der unterstützten Architekturen soll die Performance verbessern.

Arch Linux hat sich in den letzten 19 Jahren aus einer kleinen "Linux from Scratch"-Variante plus Paketmanager zu einer Distribution entwickelt, die vor allem fortgeschrittene Linux-Enthusiasten schätzen. Nach dem Konsens der Entwickler wurde der offizielle Zweig von Arch Linux in den letzten Jahren zu einer Mainstream-Distribution und verlor einige seiner Stärken in Nischen.

Laut Polyak soll Arch Linux Vorzüge von einst zurückgewinnen. Dazu zählt die Optimierung von Kernel und Softwarepaketen mit Hilfe von Compilerflags für moderne Prozessoren. Diese Eigenschaft kann das offizielle Arch Linux derzeit nicht bieten, zumal die Pakete in den offiziellen Repositories nicht inkompatibel zu einzelnen Prozessorarchitekturen werden dürfen. Die Arch-Entwickler wollen deshalb innerhalb der offiziellen Paketquellen Repositories mit optimierten Builds aufbauen und pflegen, um mehr Leistung aus der jeweiligen Architektur heraus zu holen.

Generell gilt Arch Linux als Rolling Release, das seine Pakete vergleichsweise schnell aus Upstream-Quellcode aktualisiert. Dies stimmt aber nicht in jedem Fall, bei allen Paketen. Einige Komponenten warten dann doch bis zu einigen Wochen auf ein bis dahin überfälliges Update. Bisher ist es die Aufgabe der einzelnen Maintainer, Upstream-Änderungen zu verfolgen und einzupflegen. Einige kommen dabei nicht mehr hinterher oder verpassen wichtige Versionen. Ein grobes Beispiel ist die Boost-Bibliothek von C++, die immerhin drei Monate auf eine Aktualisierung wartete.

Das interne Projekt "Sandcrawler" soll in Zukunft helfen, veraltete Pakete in Arch-Repositories zu markieren, wenn neue Versionen auf den jeweiligen Projektwebseiten im Web vorliegen. Besser werden soll auch das Quellcode-Management der Pakete, das bei Arch Linux aus historischen Gründen auf Apache Subversion (SVN) läuft. Damit sind die Entwickler schon länger unzufrieden und ziehen derzeit alles auf Git um, was wiederum den Vorteil hat, verwandte Dienste wie Bug- und Patchtracker besser integrieren zu können.

Der eher unbeliebte Bugtracker von Arch Linux zieht bald in eine Gitlab-Instanz um.

(Bild: bugs.archlinux.org /Screenshot)

Mittlerweile leidet die Infrastruktur um Arch Linux unter einem "Bloat" zu vieler unterschiedlicher Dienste, Server und Lösungsansätze. Besonders deutlich ist diese Fragmentierung bei den 15 öffentlichen Diensten von Arch Linux zu sehen: Das beliebte Arch Wiki ist als Mediawiki organisiert, die Mailinglisten stemmt GNU Mailman, der Bugtracker basiert auf dem PHP-Projekt "Flyspray" und das Forum bbs.archlinux.org läuft gar auf einer veralteten Version von FluxBB, die keine Updates mehr bekommt. Um Ordnung zu schaffen, dient künftig ein selbst gehostetes Gitlab als zentrale Plattform für Arch Linux. Der Umzug ist bereits voll im Gange und soll, wenn gelungen, auch externe Maintainer von Community-Paketen anlocken.

Der gesamte Talk zur Zukunft von Arch Linux ist als aufgezeichneter Stream im CCC Video Operation Center verlinkt und wird später im eigenen Archiv von Arch Linux als MP4-Datei veröffentlicht.

(ovw)