Astronomie: Lokale Blase um die Sonne verantwortlich für Sternenentstehung

Die Sonne durchquert seit Millionen Jahren ein staubfreies Gebiet. Das haben explodierende Sterne freigeräumt und so die Entstehung Tausender Sterne angestoßen.

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Die Sonne in der Lokalen Blase und die jungen Sterne an deren Rand

(Bild: Leah Hustak (STScI))

Von
  • Martin Holland

Ein vergleichsweise staubfreies Gebiet, das die Sonne seit Millionen Jahren durchquert, ist vor etwa 14 Millionen Jahren durch mehrere Sternenexplosionen entstanden, die danach zur Entstehung Tausender Sterne geführt haben. Das haben Astronominnen und Astronomen um Catherine Zucker vom Harvard Smithsonian Center for Astrophysics jetzt bestätigt.

Anhand Daten des revolutionären ESA-Weltraumteleskops haben sie ermittelt, dass sich die sogenannte Lokale Blase als Folge der über ein Dutzend Supernovae ausdehnt und für die Entstehung aller jungen Sterne in der kosmischen Nachbarschaft verantwortlich ist. Alle Sternenentstehungsregionen in der Nähe der Sonne befinden sich genau am Rand dieser Blase.

Dass sich die Sonne in der sogenannten Lokalen Blase befindet, die bis zu 1000 Lichtjahre durchmisst, ist schon seit Jahrzehnten bekannt. Dass die durch explodierende Sterne entstanden ist, die Material von sich geschleudert haben, galt ebenfalls als sicher. Aber wie zentral die Blase für die Entstehung von Sternen in der unmittelbaren Umgebung der Sonne ist, konnte erst jetzt bestätigt werden.

Ganze sieben Regionen, in denen gegenwärtig Sterne entstehen, liegen am Rand dieser Blase, haben Zucker und ihr Team ermittelt. Dort trifft das Material auf interstellaren Staub, bringt ihn quasi durcheinander und leitet so die Entstehung von Sternen ein. Die Blase breitet sich inzwischen nicht mehr so schnell aus, wie am Anfang, die Forschenden kommen auf eine Ausbreitungsgeschwindigkeit von etwa 23.000 km/h.

(Quelle: Space Telescope Science Institute (STScI))

Mit der Arbeit haben sie gewissermaßen die Entstehungsgeschichte der kosmischen Nachbarschaft der Sonne geschrieben, meint Zucker. Wer will, kann ihre 3D-Karten der Lokalen Blase im Internet ansehen. Wie sie und ihre Forschungsgruppe jetzt im Fachmagazin Nature erklären, haben sie nicht nur ermittelt, dass die jungen Sterne alle am Rand der Lokalen Blase liegen, sondern wissen dank Gaia sogar, dass sie sich zumeist auch nach außen bewegen. Das Weltraumteleskop erstellt seit Jahren einen immer präziser werdenden Himmelsatlas, der nicht nur die Positionen, sondern die Bewegungen von Milliarden Sternen umfasst. Die Erkenntnisse des Teams basieren nun aber nicht nur auf diesen Daten, sondern auch neuen Modellen zu Supernovae und besonders guten dreidimensionalen Karten des Materials außerhalb der Lokalen Blase.

Auch den Weg der Sonne durch die gigantische Blase hat das Team rekonstruiert: Als die Supernovae gezündet haben, war unser Heimatstern demnach noch um einiges davon entfernt. Vor ungefähr fünf Millionen Jahren sei sie dann in die sich ausbreitende Blase eingetreten und ihr Weg führte sie direkt ins Zentrum, wo sie sich aktuell befindet. Statistisch sei es sehr unwahrscheinlich, dass sich die Sonne genau jetzt in der Mitte einer solchen Blase befindet, wenn die in der Milchstraße selten wären. Stattdessen dürften sie ziemlich häufig sein und eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Sternen spielen. Das will das Team weiter erforschen und dafür andere Blasen kartieren. Außerdem möchten sie herausfinden, was dort passiert, wo diese Blasen aufeinandertreffen.

(mho)