Astronomie: Möglicherweise erster extragalaktischer Exoplanet entdeckt

Tausende Exoplaneten wurden bereits entdeckt, aber alle in unserer Milchstraße. Jetzt meldet ein Forscherteam den ersten Fund in einer anderen Galaxie.

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In der Whirlpool-Galaxie wurde möglicherweise der erste extragalaktische Exoplanet gefunden.

(Bild: NASA, ESA, S. Beckwith (STScI), and The Hubble Heritage Team STScI/AURA))

Von
  • Martin Holland

Einer Gruppe von Astronominnen und Astronomen ist möglicherweise der erste Nachweis eines Exoplaneten in einer anderen Galaxie gelungen. Wie die Gruppe um Rosanne Di Stefano vorab in einem noch nicht extern überprüften Artikel mitteilen, gelang der mögliche Nachweis dank einer Reihe von günstigen Umständen.

Denn eigentlich sind andere Galaxien viel zu weit weg, um mit den bislang üblichen Methoden dort Exoplaneten nachzuweisen. Die mehreren Tausend bereits bekannten befinden sich deshalb ausnahmslos alle in unserer Milchstraße. Sollte sich die nun vorgestellte Analyse bestätigen, wäre M51-ULS-1b der erste extragalaktische Exoplanet – und stolze 28 Millionen Lichtjahre entfernt.

Wie das Team um Di Stefano vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in der auf Arxiv einsehbaren Studie erklärt, sind die Sterne in anderen Galaxien aus unserer Perspektive so dicht gedrängt, dass die herkömmlichen Methoden zum Nachweis von Exoplaneten keine Ergebnisse bringen. So sei es "schwierig", in dieser Entfernung die periodische Bewegung eines einzelnen Sterns (Radialgeschwindigkeitsmethode) zu vermessen oder regelmäßige minimale Verdunkelungen (Transitmethode) zu erkennen, schreiben sie. Aber gleichzeitig gebe es in jeder externen Galaxie eine vergleichsweise kleine Zahl von Himmelskörpern, die sehr hell im Röntgenspektrum strahlen.

Genau bei solch einem Objekt wurden sie nun fündig, und zwar in den Daten des NASA-Röntgenteleskops Chandra. Während der Beobachtung der 28 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie M51 – die Whirlpool-Galaxie – im Jahr 2012 wurde mit M51-ULS-1 eine der hellsten Röntgenquellen dort verdunkelt. Anhand dieser Beobachtung konnte das Forscherteam ermitteln, was für ein Himmelskörper dafür verantwortlich sein dürfte. Es handelt sich demnach wohl um einen Exoplaneten der Größe des Saturn, der die vergleichsweise kleine Quelle der Röntgenstrahlung in wenigen Astronomischen Einheiten Entfernung umkreist und regelmäßig vollständig verdeckt. Bei der Quelle handelt es sich demnach um ein Schwarzes Loch oder einen Neutronenstern, das beziehungsweise der von einem massiven Stern begleitet wird, von dem immense Mengen an Materie abgesaugt werden. Andere mögliche Erklärungen halten sie für weniger wahrscheinlich.

Wie die Wissenschaftler weiter schreiben, sei nicht anzunehmen, dass sie etwas besonders Außergewöhnliches entdeckt hätten. Bei ähnlichen hellen Quellen von Röntgenstrahlung erwarteten sie ähnliche Ergebnisse, vor allem, weil die Quellen selbst kleiner sein könnten, als ein sie umkreisender Exoplanet. Die Verdunkelungen sind also relativ stark beziehungsweise vollständig. Sie sagen deswegen ähnliche Entdeckungen für die Zukunft voraus. Sollte sich das bewahrheiten, könnten Forscher sogar mit der bereits existierenden Technik Exoplaneten in anderen Galaxien erforschen. Viele dafür nötige Daten seien bereits von Chandra und dem ESA-Observatorium XMM-Newton gesammelt worden. Aktuell wartet ihre Analyse aber noch auf die externe Überprüfung und die Veröffentlichung in einem wissenschaftlichen Fachmagazin.

Exoplaneten (19 Bilder)

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(mho)