Astronomie: Planeten bilden sich offenbar deutlich schneller als angenommen

Auch bei vergleichsweise jungen Sternen haben Astronomen oft viel zu wenig Materie gefunden, aus der sich Planeten bilden können. Sie kamen wohl schon zu spät.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 36 Beiträge

Die Perseuswolke ist eine Geburtsstätte von Sternen.

(Bild: NASA/JPL-Caltech)

Von

Planeten formen sich um junge Sterne offenbar deutlich schneller als bislang angenommen. Das haben Wissenschaftler um den Astronomen Łukasz Tychoniec von der Sternwarte Leiden ermittelt, berichtet das Wissenschaftsmagazin Science. Während bisher schon um wenige Millionen Jahre alte Sterne oft nicht mehr genug Material gefunden wurde, aus dem sich Planeten bilden können, wurden die Forscher nun bei deutlich jüngeren Exemplaren fündig. Bei weniger als 500.000 Jahre alten Sternen wurde demnach mehr als genug Material in der sie umgebenden Staubscheibe gefunden, aus dem Planeten entstehen können.

Planeten entstehen in immensen Scheiben aus Staub und Gas, die junge Sterne umgeben. Wenn das Material durch kleine Unregelmäßigkeiten verklumpt, sorgt die Gravitation dafür, dass daraus die Himmelskörper entstehen. Viele Details dieses Prozesses sind aber noch nicht ausreichend erforscht, auch weil wir überhaupt erst seit wenigen Jahrzehnten Planeten um andere Sterne kennen. So erklärt Science, dass Forscher mit dem ALMA-Teleskop (Atacama Large Millimeter/submillimeter Array) in Chile die Staubscheibe um Sterne untersucht hatten, die zwischen einer Million und drei Millionen Jahre alt waren. Das darin gefundene Material reichte demnach nicht einmal zur Bildung eines Exoplaneten der Größe des Jupiter aus.

Entweder hatten sie also ein bislang unbekanntes Reservoir von Ausgangsmaterial übersehen oder sie kamen einfach schon zu spät. Letzteres hieße, dass Exoplaneten bereits im Entstehen begriffen waren und viel Materie aufgesammelt hatten.

Tychoniec und seine Kollegen haben nun mit dem ALMA und dem Very Large Array (VLA) in New Mexico 77 Sterne in der sogenannten Perseuswolke analysiert, wie sie im Fachmagazin Astronomy & Astrophysics darlegen. Die Wolke ist eine Geburtsstätte von Sternen: Die untersuchten sind demnach lediglich 100.000 und 500.000 Jahre alt. Und dort wurden die Forscher nun fündig. Die Menge an Material in den Staubscheiben um diese Sterne lag demnach eine Größenordnung über der in den älteren Sternen. Es reiche mehr als aus, damit sich dort noch Planeten bilden können. Die scheinen also ziemlich rasch nach der Entstehung von Sternen zu folgen, zumindest nach kosmischen Maßstäben. Andere Beobachtungen hatten ähnliches nahegelegt.

ALMA (8 Bilder)

Heimatgalaxie

ALMA unter dem Bogen der Milchstraße (Bild: ESO/S. Guisard (www.eso.org/~sguisard))

(mho)