Sternsystem L 98-59: Gesteinsplaneten, eine Wasserwelt und vielleicht noch mehr

Der ziemlich nahe Stern L 98-59 wird wohl von fünf Planeten umkreist, darunter ein sehr leichter und eine Wasserwelt. Sogar lebenswert könnte es dort sein.

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Künstlerische Darstellung des Sterns L 98-59 und eines seiner Planeten

(Bild: ESO/M. Kornmesser)

Von
  • Martin Holland

Das 35 Lichtjahre von uns entfernte Sternsystem L 98-59 wird immer spannender: Der bereits bekannte innerste Exoplanet in dem System hat etwa die halbe Masse der Venus, der dritte ist offenbar eine Wasserwelt, ein weiterer wurde nun entdeckt und ein möglicher erdähnlicher fünfter Exoplanet könnte sogar in der habitablen Zone liegen. Herausgefunden hat das ein Team von Astronomen und Astronominnen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO). Die Erkenntnisse seien ein "ein wichtiger Schritt auf der Suche nach Leben auf erdgroßen Planeten außerhalb des Sonnensystems", erläutern sie.

Die innersten drei Exoplaneten von L 98-59 waren bereits 2019 dank des Weltraumteleskops TESS der NASA entdeckt worden. Das setzt auf die sogenannte Transitmethode, hält also Ausschau nach kurzen, minimalen Abdunkelungen, wenn die Exoplaneten vor dem Stern vorüberziehen. Vermessen werden konnten die drei Himmelskörper aber nun erst über die Radialgeschwindigkeitsmethode, bei der die periodische Bewegung eines Sterns durch die abwechselnde Blau- und Rotverschiebung (Doppler-Effekt) des Lichts analysiert wird. Damit konnten nun Masse und Radien der ersten drei Exoplaneten ermittelt, ein weiterer entdeckt und Hinweise auf einen fünften gefunden werden.

(Quelle: ESO)

Die Gesteinsplaneten in dem System seien ein aussichtsreiches Ziel für künftige Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop James Webb und dem Extremely Large Telescope (ELT), meint das Team. Aktuelle Instrumente seien nicht leistungsfähig genug, um ihre Atmosphäre zu erforschen, wenn sie vor ihrem Stern vorübergleiten. Am spannendsten dürfte dann sicher der fünfte Exoplanet in dem System sein, immerhin kreist nur er in jener habitablen Zone, in der flüssiges Wasser auf seiner Oberfläche und damit eine Grundvoraussetzung für erdähnliches Leben möglich wäre. Bislang habe man aber lediglich "Hinweise auf die Anwesenheit eines erdähnlichen Planeten" in dieser Umlaufbahn. Das Team stellt die Entdeckung im Fachmagazin Astronomy & Astrophysics vor.

Auf dem innersten Planeten in dem System dürfte es dagegen zu heiß sein für die Entstehung von Leben, wie wir es kennen, auch wenn dort wahrscheinlich Wasser vorkommt. Trotzdem stellt die Messung seiner Masse einen Durchbruch dar, erläutern die Forscher. Immerhin handle es sich um den leichtesten Exoplaneten, dessen Masse über die Radialgeschwindigkeit seines Sterns ermittelt werden konnte. Ohne Präzision und Stabilität des eingesetzten Instruments Espresso (Echelle SPectrograph for Rocky Exoplanets and Stable Spectroscopic Observations) wäre das nicht möglich gewesen. Der dritte Planet in dem System besteht dem Team zufolge eventuell sogar zu 30 Prozent aus Wasser, es könnte sich also um eine Wasserwelt handeln.

Vergleich der Exoplaneten von L 98-59 und des inneren Sonnensystems

(Bild: ESO/L. Calçada/M. Kornmesser (Acknowledgment: O. Demangeon))

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(mho)