Astronomie: "Spektakulärer Gasverlust" – ferne Galaxie vergeht nach Kollision

Galaxien vergehen normalerweise langsam, wenn ihnen das Material für neue Sterne ausgeht. Nun haben Forscher eine entdeckt, die bei der das viel schneller geht.

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Künstlerische Darstellung der sterbenden Galaxie ID2299

(Bild: ESO/M. Kornmesser)

Von
  • Martin Holland

Wenn Galaxien keine neuen Sterne mehr bilden, beginnt ihr Ende und sie vergehen – wenn auch langsam. Eine Gruppe von Astronomen und Astronominnen hat nun eine Galaxie entdeckt, die mit großer Gewalt die dafür nötige Materie ausstößt und damit ihr vergleichsweise baldiges Ende einleitet.

Die Entdeckung gelang demnach fast zufällig, erklären die Forscher nun. Jedes Jahr verliert die ferne Galaxie ID2299 demnach Gas, das 10.000 Sonnen entspricht und weil sie gleichzeitig noch sehr schnell Sterne bilde, werde das schon in einigen Dutzend Millionen Jahren nicht mehr möglich sein, weil das Material dafür zur Neige gegangen ist. Der "spektakuläre Gasverlust" ist Folge einer Kollision mit einer anderen Galaxie, meinen die Forscher.

Wie die Wissenschaftler erläutern, gehen die meisten Experten eigentlich davon aus, dass sternbildendes Material durch Winde aus Galaxien geschleudert wird, die ihren Ursprung in der Sternentstehung und gigantischen Schwarzen Löchern haben. Im Laufe großer Zeiträume verlieren sie so die Materie, aus der neue Sterne entstehen kann und vergehen schließlich, wenn die existierenden Sterne ihr Ende gefunden haben.

Galaktische Kollisionen seien bislang nicht als Prozesse ausgemacht worden, die ebenfalls solch ein Ende einleiten können und vor allem ein derart schnelles. Das eingesetzte Radioteleskop ALMA habe also "ein neues Licht auf die Mechanismen geworfen, die die Sternentstehung in fernen Galaxien zum Stillstand bringen können."

Die rasch sterbende Galaxie ID2299 ist demnach so weit von uns entfernt, dass wir sie in einem Zustand sehen, als das Universum lediglich 4,5 Milliarden Jahre alt war. Sie sei bei einer größeren Durchmusterung nur wenige Minuten ins Visier genommen worden. Trotzdem habe man ihren ungewöhnlichen Zustand erkannt. Gefunden haben sie demnach den riesigen, sogenannten "Gezeitenschweif".

Dabei handelt es sich demnach um gigantische Ströme von Gas und Sternen, die sich zwischen Galaxien erstrecken und Überreste von Galaxien sind. Zumeist seien diese nicht hell genug, um sie in derart weiten Entfernungen zu sehen. Im Fall von ID2299 war der aber so hell, das man ihn habe identifizieren und seinen Ursprung ermitteln können. Ihr Erkenntnisse stellen die Forscher im Fachmagazin Nature Astronomy vor.

(mho)