Astronomie: Viele Sterne in der Milchstraße erlebten gigantische Kollision

An ihrem Anfang kollidierte die Milchstraße vor mehr als 10 Milliarden Jahren mit einer anderen Galaxie. Viele Sterne in unserer Heimatgalaxie sind älter.

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Blick zum Zentrum der Milchstraße im Infrarotspektrum

(Bild: NASA)

Von
  • Martin Holland

Als die Milchstraße vor etwa 10 Milliarden Jahren mit einer anderen Galaxie kollidierte, war ein substanzieller Teil der Sterne bereits entstanden. Das hat eine Gruppe von Forschern und Forscherinnen unter anderem anhand von Daten der Weltraumteleskope Kepler und Gaia herausgefunden und bestehende Theorien damit bestätigt. Dabei haben sie sich der vergleichsweise jungen Disziplin der Asteroseismologie bedient, erklären sie weiter. Dabei wird aus der Strahlungsfrequenz bestimmter Sterne auf ihre interne Struktur und unter anderem auf ihr Alter geschlossen.

Dass die Milchstraße in ihrer Frühgeschichte mit einer anderen Galaxie kollidiert war, wurde vor ein paar Jahren mit dem Weltraumteleskop Gaia nachgewiesen. Seit 2013 fotografiert Gaia mit einer Gigapixelkamera kontinuierlich den Sternenhimmel. Mittels der Parallaxenmessung lassen sich auf seinem Weg um die Sonne die Position unzähliger Sterne und im Lauf der Zeit auch deren relative Bewegung genau bestimmen. Ein Ziel der Mission war es, auf diesem Weg verschiedene Ströme von Sternen zu finden und daraus die frühe Geschichte unserer Heimatgalaxie rekonstruieren zu können. Mit der Entdeckung der größten Kollision ganz an deren Anfang war dieses Ziel in beeindruckender Weise erreicht worden.

(Quelle: Koppelman, Villalobos & Helmi, Kapteyn Astronomical Institute, University of Groningen, The Netherlands)

Wie die Forscher und Forscherinnen um Josefina Montalbán von der Universität Birmingham nun erklären, konnten sie mittels Asteroseismologie präzise Altersangaben für eine Reihe von Sternen ermitteln. Diese Gruppe umfasste Sterne, bei denen dank der Gaia-Daten klar war, dass sie sie in der Milchstraße entstanden sind und solche, die von außerhalb gekommen sind, erklären sie im Fachmagazin Nature Astronomy. Sie stammen aus der Zwerggalaxie, mit der die Milchstraße kollidierte und die inzwischen den Namen Gaia-Enceladus erhalten hat. Ein substanzieller Teil der Sterne der Milchstraße war demnach zur Zeit der Kollision vor mehr als 10 Milliarden Jahren bereits entstanden und befindet sich inzwischen in deren dicker Scheibe. Zum Vergleich: Unsere Sonne ist etwa 4,5 Milliarden Jahre alt, genauso wie die Erde.

(mho)