Atomkraft: Belgischer Reaktor Doel 3 geht vom Netz

Der belgische Atomreaktor Doel 3 geht wie geplant vom Netz. Allerdings gibt es Bestrebungen, ihn wegen der Energiekrise wieder in Betrieb zu nehmen.

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(Bild: engie.be, Symbolbild)

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  • Andreas Wilkens

Reaktor 3 des belgischen Atomkraftwerks Doel wird am heutigen Freitag vom Netz genommen. Das AKW lief seit 40 Jahren, nun hört dort zuerst einmal die Stromproduktion auf. Es könnte ein jahrzehntelanger Stilllegungsprozess beginnen, bis das AKW schließlich rückgebaut werden kann. Allerdings gibt es Bestrebungen, das Kraftwerk doch noch weiterlaufen, also wieder ans Netz zu lassen.

Block 4 in Doel wird länger weiterlaufen als ursprünglich geplant, steht seit dem März dieses Jahres fest. Kurz nach der Invasion Russlands in die Ukraine beschloss die belgische Regierung, diesen Reaktor sowie Tihange 3 noch weitere zehn Jahre laufen zu lassen. Beide sind seit 1985 in Betrieb und sollten laut dem belgischen Atomausstiegsbeschluss von 2003 eigentlich spätestens 2025 abgeschaltet werden.

Angesichts der verschärften Energielage in Europa hatte die belgische Innenministerin Annelies Verlinden vergangene Woche nach eigenen Angaben die belgische Atomaufsicht FANC ersucht, zu überprüfen, ob die Stillegung von Doel 3 verschoben werden könnte. Innerhalb der Regierung werde darüber gesprochen, ob Doel 3 wieder ans Netz gehen könnte.

Ähnliche Diskussionen gibt es auch in Deutschland. Dort hat die Bundestagsfraktion von CDU und CSU am Donnerstag einen Entwurf zur Änderung des Atomgesetzes eingebracht. Sie will damit erreichen, dass die drei noch in Deutschland laufenden Atomkraftwerke Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland bis 31. Dezember 2024 weiterlaufen dürfen. Bisher sieht das 2011 unter der Ägide der damaligen CDU/CSU-SPD-Regierung novellierte Atomgesetz vor, dass die drei Kraftwerke spätestens Ende dieses Jahres abgeschaltet werden. Der Antrag wurde an die zuständigen Ausschüsse verwiesen.

Steffen Bilger aus der CDU/CSU-Fraktion argumentierte, die AKW müssten angesichts explodierender Strompreise dringend weiter betrieben werden. Es sei absurd, die AKW in der akuten Energiekrise abzuschalten. Jakob Blankenburg (SPD) erwiderte, die Union spreche zwar nur von einem befristeten Weiterbetrieb bis 2024, halte sich aber ein "Hintertürchen" für einen deutlich längeren Betrieb offen. Zudem stellten CDU und CSU Fragen der Sicherheit hintenan.

Julia Verlinden von den Grünen wandte ein, die Atomkraft sei nicht nur unflexibel, sondern auch riskant und teuer. "Je länger die Atomkraftwerke laufen, umso länger stehen sie der Energiewende im Weg." Auch die Linken meinen, ein Weiterbetrieb sei falsch, während Judith Skudelny von der Regierungspartei FDP dafür plädierte, die AKW über den kommenden Winter weiterzubetreiben. Das ifo-Institut hat errechnet, dass ein Weiterbetrieb aller drei noch aktiven deutschen AKW den Strompreis um 4 Prozent senken könnte.

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Doel liegt 150 Kilometer, Tihange 70 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Im Sommer 2021 hatte die Stadt Köln eine Resolution unterzeichnet, die sich gegen die Laufzeitverlängerung richtet. Der Standort Doel werde seit Jahren wegen verschiedener Sicherheitsbedenken kontrovers diskutiert, hieß es in der Resolution, die von der Region Aachen initiiert worden war. Die Region hatte bereits 2017 mit Jodtabletten für einen möglichen Atomunfall vorgesorgt.

Drei AKW sind noch in Deutschland in Betrieb (7 Bilder)

Seit März 1984 ist Block C des AKW im bayerischen Gundremmingen in Betrieb. Block A war von 1967 bis 1977 in Betrieb. Der 1984 ans Netz gegangene Block B wurde am 31. Dezember 2017 abgeschaltet, Block C – ebenfalls 1984 in Betrieb genommen – folgte Ende 2021. (Bild: kkw-gundremmingen.de)

(anw)