Atomkraft: Grünen-Politikerin Göring-Eckardt hält AKW-Streckbetrieb für denkbar

Die Bundestagsvizepräsidentin hält Atomkraft für sehr gefährlich. In der Not könne diese aber aushelfen. SPD-Chefin Saskia Esken zeigt sich "unideologisch".

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Katrin Göring-Eckardt (Grüne) am Sonntagabend in der Sendung "Anne Will"

(Bild: ARD)

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) schließt nicht aus, dass Atomkraftwerke in Deutschland doch länger als gesetzlich vorgeschrieben laufen könnten. In der ARD-Fernsehsendung "Anne Will" sagte sie, wenn es zu einer "wirklichen Notsituation" käme, in der Krankenhäuser nicht mehr arbeiten könnten, dann müsse über die Brennstäbe gesprochen werden.

Die Laufzeiten der drei noch laufenden deutschen AKW würden aber nicht über die im Atomgesetz verankerte Zeit verlängert werden, sagte Göring-Eckardt. Vielmehr war in der ARD-Sendung von einem Streckbetrieb die Rede, dabei würden die vorhandenen Brennstäbe länger eingesetzt als bisher geplant. Dafür würden die Brennelemente laut Bundeswirtschaftsministerium "langsamer 'abgebrannt'".

Das Ministerium hatte vorige Woche eine zweite Sonderanalyse – auch Stresstest genannt – der Stromversorgung in Deutschland veranlasst. Dabei wird auch geprüft, inwiefern die AKW Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland unter verschärften Annahmen zur Stromversorgung beitragen könnten und sollten. Die grüne Außenministerin Annalena Baerbock sagte dem Boulevardblatt "Bild" dazu, in der jetzigen Notsituation werde alles noch einmal geprüft, sie selbst halte eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten nicht für richtig. AKW produzierten Strom, allerdings sei die Gasversorgung herausfordernd.

SPD-Vorsitzende Saskia Esken zeigte sich hingegen offen dafür, den Atomausstieg hinauszuzögern. Im ZDF-Morgenmagazin sagte sie zu einer möglichen Verlängerung der AKW-Laufzeiten: "Wir sind an der Stelle nicht ideologisch unterwegs." Die Münchner Grünen hatten sich zuvor schon für einen Weiterbetrieb von Isar 2 für etwa sechs Monate ausgesprochen.

In Bayern wird befürchtet, dass die Elektrizitätsversorgung in einer Gasnotlage ohne Atomkraft nicht gesichert sein könnte. Dort gebe es ein "Sonderproblem", sagte Göring-Eckardt in der ARD. Der frühere bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer habe die dortigen Bürgerinitiativen nicht mit dem Bau von Stromleitungen verprellen wollen. Die Bundesregierung habe Bayern auch in Sachen Windkraft machen lassen, dort sei eher auf Solarkraft gesetzt worden, doch dann gebe es im Winter mangels Sonneneinstrahlung ein Problem.

Atomkraft sei eine "wahnsinnig gefährliche Technologie" betonte Göring-Eckardt. Während ihres Besuchs in der Ukraine sei sie damit konfrontiert worden, dass Atomkraftwerke nicht für den Kriegsfall ausgelegt seien. Dabei erwähnte sie das von russischen Truppen besetzte südukrainische AKW Saporischschja. In Frankreich könnten Atomkraftwerke nicht arbeiten, weil sie nicht gekühlt werden können.

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In Frankreich laufen momentan die dortigen 56 AKW mit weniger als der Hälfte ihrer Kapazitäten, das Land bezog deshalb mehr Strom aus Deutschland, der zunehmend aus Erneuerbaren Energie gewonnen wird. Das 2011 nach dem Super-GAU von Fukushima novellierte Atomgesetz sieht vor, dass die letzten drei deutschen AKW spätestens Ende dieses Jahres abgeschaltet werden.

Drei AKW sind noch in Deutschland in Betrieb (7 Bilder)

Seit März 1984 ist Block C des AKW im bayerischen Gundremmingen in Betrieb. Block A war von 1967 bis 1977 in Betrieb. Der 1984 ans Netz gegangene Block B wurde am 31. Dezember 2017 abgeschaltet, Block C – ebenfalls 1984 in Betrieb genommen – folgte Ende 2021. (Bild: kkw-gundremmingen.de)

(anw)