Atomkraft: Möglicher Störfall in chinesischem AKW Taishan

Im Atomkraftwerk Taishan 1 nahe Hongkong wurde eine erhöhte Konzentration Edelgase im Primärkreislauf festgestellt. Möglicherweise strömte Gas in die Umwelt.

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Atomkraftwerk Taishan.

(Bild: TNPJVC)

Update
Von
  • Andreas Wilkens

Im Primärkreislauf in Block 1 des chinesischen Atomkraftwerks Taishan hat es eine erhöhte Konzentration mancher Edelgase gegeben. Das teilt der französische Energiekonern EDF mit, der über seine Tochter Framatome zu 30 Prozent am Betreiber des AKW TNPJVC beteiligt ist.

Edelgase in einem Primärkreislauf eines Atomkraftwerks seien ein bekanntes Phänomen, heißt es in einer EDF-Mitteilung (PDF). Das Unternehmen habe eine außerordentliche Verwaltungsratssitzung beantragt, um den Vorfall dort zu behandeln. Ein EDF-Sprecher sagte später, die Edelgase seien auf Abbauprozesse an der Umhüllung der Brennstäbe zurückzuführen.

Framatome schreibt in einer Mitteilung (PDF) von einem "Leistungsproblem" in dem AKW. Die Anlage arbeite nach den bisher verfügbaren Daten innerhalb der Sicherheitsparameter. Framatome beteilige sich daran, die Situation zu bewerten und Lösungen für potenzielle Probleme vorzuschlagen.

Der US-amerikanische Fernsehsender CNN hatte berichtet, Framatome habe in einem Bericht, der der US-Regierung vorliege, vor einer radiologischen Bedrohung gewarnt. Die chinesischen Behörden hätten die zulässigen Strahlungswerte in der Umgebung des AKW Taishan erhöht, damit es nicht abgeschaltet werden müsse.

Der US-amerikanische nationale Sicherheitsrat habe sich daraufhin mit dem Bericht befasst, die US-Regierung soll auch mit der chinesischen Regierung Kontakt aufgenommen haben. Gegenwärtig seien weder die Arbeiter in dem Werk noch die Öffentlichkeit bedroht.

Das Atomkraftwerk liegt südlich von Hongkong in Yaogu an der Küste der chinesischen Provinz Guangdong. Die beiden EPR-Druckwasserreaktoren wurden 2018 und 2019 in Betrieb genommen und haben eine Leistung von 3500 MW. Sie sind bisher die einzigen dieses neuen Typs, die bereits Strom liefern.

Die Regierung in Hongkong hatte Anfang April berichtet, aus dem AKW Taishan sei eine kleine Menge Gas freigesetzt worden. Der sichere Betrieb des Reaktors, die Gesundheit der Arbeitnehmer und der Öffentlichkeit sowie die Umwelt seien nicht beeinträchtigt worden.

Update 15.6.21, 14.40: Zhao Lijian, ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums, sagte am Dienstag, dass die Strahlungswerte rund um das AKW Taishan normal geblieben sind. Das Atomkraftwerk erfülle alle Anforderungen vollständig, es gebe keine Anzeichen von Anomalien, berichtet Reuters.

(anw)