Atomkraft: Niederlande überlegen AKW vor Ostfriesland zu bauen

Das Nachbarland will seine Klimaziele auch mit Atomkraft erreichen, wenn es nach seiner Regierungspartei VVD geht.

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Atomkraft: Niederlande überlegen AKW vor Ostfriesland zu bauen

Blick auf Eemshaven.

(Bild: eemshaven.com)

Von
  • Andreas Wilkens

Die Niederlande sind weit davon entfernt, ihre Klimaziele zu erfüllen. Auf den Autobahnen des Landes wurde deshalb Tempo 100 eingeführt; und nun überlegt die rechtsliberale Regierungspartei VVD bis zu zehn neue Atomkraftwerke zu bauen.

Zwar haben die Niederlande die Windkraft und auch die Solarenergie in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut, doch reiche dies nicht aus. Zumindest um Netzschwankungen ausgleichen zu können, bedürfe es eine zuverlässige Energiequelle, berichtete die niederländische Zeitung AD.

Eine vom niederländischen Wirtschaftsminister Eric Wiebes vorgelegte Studie der Beratungsgesellschaft Enco ergab, das Atomkraft nicht teurer sei als die erneuerbaren Energien und die Verlängerung von AKW-Laufzeiten ein günstiger Weg sei, CO2 einzusparen. VVD-Fraktionschef Klaas Dijkhoff meinte, AKW müssten ab 2025 gebaut werden, damit bis zum Jahr 2050 der Atomstrom fließen kann.

Als ein möglicher Standort für ein AKW wird wie zu früheren Gelegenheiten auch Eemshaven wieder als Standort ins Spiel gebracht, das an der Emsmündung in der Nähe zum ostfriesischen Emden liegt. Gemeinsam mit Delfzijl ist Eemshaven die Energie-Drehscheibe des Nachbarlandes und bereits jetzt Standort von gleich drei Gas- und einem Kohlekraftwerk, wie NWZ Online berichtet.

Der niederländische Energie-Experte Enzo Diependaal kritisierte an der Enco-Studie, sie sei lediglich eine Metastudie, die bisherige Ergebnisse zusammenfasse. Eine Optimierungsstudie als Basis politischer Entscheidungen wäre besser, meint Diependaal. Die VVD beziehe in ihre Überlegungen auch ein, dass Wind- und Sonnenkraft mehr Landfläche benötige als Atomkraft.

Sechs AKW sind noch in Deutschland in Betrieb (7 Bilder)

Seit März 1984 ist Block C des AKW im bayerischen Gundremmingen in Betrieb. Block A war von 1967 bis 1977 in Betrieb. Der 1984 ans Netz gegangene Block B wurde am 31. Dezember 2017 abgeschaltet, Block C – ebenfalls 1984 in Betrieb genommen – soll 2021 folgen. (Bild: kkw-gundremmingen.de)

Die Grünen in Deutschland hatten bereits vor 14 Jahren im Bundestag eine Resolution gegen Pläne für ein AKW in Eemshaven angestrebt. Sie bezeichneten die deutsche Nachbarstadt Emden seinerzeit als "Hauptstadt erneuerbarer Energien".

(anw)