Atomkraft: Südkorea verabschiedet sich vom Atomausstieg

Im Kampf gegen den Klimwandel und für mehr Energiesicherheit will die neue südkoreanische Regierung anders als ihre Vorgängerin auf Atomkraft setzen.

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Reaktoren am südkoreanischen Standort Wolsong.

(Bild: IAEA)

Von
  • Andreas Wilkens

Mit dem Wechsel an der Staatsspitze Südkoreas nach der Präsidentschaftswahl im März dieses Jahres wird sich auch die Energiepolitik des Landes ändern. Dies wurde diese Woche in einer Anhörung des designierten Industrieministers Lee Chang-yang im südkoreanischen Parlament deutlich. Dabei betonte er laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Yonhap, er wolle die Atomkraft nutzen, um Energiesicherheit und die Klimaziele zu erreichen. Zudem solle Südkorea auf diesem Gebiet konkurrenzfähiger werden.

Der neue südkoreanische Präsident Yoon Suk-yeol war mit dem Versprechen in den Wahlkampf gezogen, anders als sein Vorgänger Moon Jae-in auf Nuklearenergie zu setzen. Am 9. März wurde er von 48,6 Prozent der Wahlberechtigten gewählt. Moon konnte laut Verfassung nicht wiedergewählt werden; der unterlegene Kandidat Lee Jae-myung von der bisher regierenden Demokratischen Partei erhielt 47,8 Prozent der Stimmen. Er hatte sich dazu bereit gezeigt, den Bau neuer Atomanlagen, den die bisherige Regierung eingefroren hatte, wieder aufzunehmen und die Atomkraft nicht komplett aufzugeben.

Im Januar dieses Jahres hatte Moons Regierung noch betont, weiter nicht auf Atomkraft setzen zu wollen. Gleichzeitig hatte sie sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 40 Prozent gegenüber dem Niveau von 2018 zu reduzieren, ab 2050 solle Südkorea CO₂-neutral sein. Yoon hatte versprochen, "realistischere Ziele" zu setzen, wie Yonhap berichtet.

Südkorea bezieht momentan etwa 30 Prozent seines Stroms aus Atomkraft. 2017 hatte das Land beschlossen, keine neuen Atomkraftwerke mehr zu bauen und die Nutzung der Technik auslaufen zu lassen. In dem Jahr und dem Folgejahr wurden in dem Land zwei Reaktoren abgeschaltet. Die momentan 24 Reaktoren sollen bis 2034 auf 17 reduziert werden, vier Reaktoren werden zurzeit gebaut.

Für den vormaligen Energieminister Moon Sung-wook stand das Problem der Entsorgung des Atommülls im Vordergrund. Das Entsorgungsproblem zeige sich auch im Ausland. In Südkorea sei es angesichts der geringen Größe des Landes sehr schwierig, hochradioaktive Abfälle zu entsorgen, sagte er im Januar.

Mit der japanischen Regierung stritt sich Südkorea bislang über den Plan, mit radioaktivem Tritium belastetes Kühlwasser aus dem 2011 zerstörten Atomkraftwerk Fukushima ins Meer abzulassen. Ob Südkorea seine Haltung dazu geändert hat oder ändern wird, ist bislang noch nicht bekannt.

(anw)