Auf der Suche nach dem Licht: Linux-Desktop Enlightenment 0.24 freigegeben

Die Desktop-Umgebung Enlightenment ist so elegant wie unbekannt. Die lange Zeit eingeschlafen wirkende Entwicklung nimmt aber wieder Fahrt auf.

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Enlightenment, zu deutsch Erleuchtung, ist ein von Carsten Haitzler seit 1997 entwickelter Fenstermanager für GNU/Linux und BSDs. Enlightenment arbeitet mit dem X Window System, seit Version 0.20 aber auch mit Wayland zusammen. In Kombination mit den Enlightenment Foundation Libraries (EFL) mutiert Enlightenment zur kompletten Desktop-Umgebung.

Damit Enlightenment 0.24 läuft, ist EFL 1.24.1 zwingend nötig. Diese Version von EFL wurde eine Woche vor Enlightenment veröffentlicht und besitzt nur wenige spezielle Verbesserungen, etwa die Beschränkung, dass Schriftgrößen nicht kleiner 1 gesetzt werden dürfen. In den aktuellen Linux-Distriubtionen oder den BSDs ist Enlightenment 0.24 (üblicherweise E24 geschrieben) natürlich noch nicht enthalten, dort sind Versionen von 0.20 bis 0.22 oder 0.23 (Ubuntu 20.04) direkt installierbar. Für E24 muss daher EFL 1.24.1 und anschließend E24 direkt aus den Quellen übersetzt werden. Wie das Build-Environment und das eigentliche Kompilieren abzulaufen hat, zeigen die Entwickler auf der Download-Seite des Quellcodes.

Als Voraussetzungen (Dependencies) nennen die Entwickler wahlweise GCC oder Clang/LLVM und eine lange Lister weiterer Bibliotheken. Dazu gehört auch systemd, was aber Devuan- und BSD-Anwender (noch) nicht beunruhigen sollte, denn auch ältere Versionen von Enlightenment nutzen bislang den umstrittenen Dienst nur, wenn er vorhanden war, also optional. Ob das auch noch für E24 gilt, wird sich zeigen.

E24 und die vorherigen Versionen weisen zwar viele Änderungen auf, für den Anwender zeigt sich das aber nur bedingt. Bei E24 sind beispielsweise die Vorschausymbole nun 256x256 Punkte groß, und Neustarts werden von sanften Aus- und Einblendungen begleitet. Es gibt ein verbessertes Crash-Handling, was durchaus wünschenswert ist, denn als VirtualBox-VM hängt sich das ältere E22 beispielsweise unter FreeBSD regelmäßig auf.

Der Pager ist dem üblichen "miniature preview" Pager gewichen und der Bluetooth-Stack Bluez4 wurde durch Bluez5 ersetzt. Das Werkzeug für Bildschirmfotos wurde stark überarbeitet und bietet nun Editierfunktionen. Helligkeit und Kontrast von Monitoren und anderen Anzeigegeräten werden seit E24 über (lib)ddctil geregelt. Darüber hinaus gibt es laut der Entwickler eine lange Liste der "üblichen" Bugfixes und kleineren Verbesserungen.

Früher einmal gab es quasi eine einfache Enlightenment-Distribution als Live-System, um den modernen Desktop einfach einmal ausprobieren zu können – das ist nicht mehr der Fall. Angeblich läuft Tizen:Unified für Smartphones und IoT-Geräte mit E24. Die schicke GNU/Linux-Distribution Bodhi ist vor einiger Zeit auf den parallelen Enlightenment-Fork Moksha umgestiegen. Elive, basierend auf Debian GNU/Linux, steckt ebenso noch bei E23 wie das auf Slackware basierende slackENLIGHTENMENT. Mit anderen Worten: Vermutlich kommt man mit Ubuntu 20.04 und einem Enlightenment-PPA am ehesten zu einem funktionierenden E24-Desktop.

(axk)