Aufgrund von Corona: Apple baut Lieferketten um und nutzt mehr Privatflüge

Der Konzern setzt in der Krise verstärkt auf "kreative Lösungen", damit Produkte zum Kunden kommen. Dazu gehörten letztes Jahr auch über 200 Privatflüge.

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(Bild: FOTOGRIN/Shutterstock.com)

Von
  • Ben Schwan

Apple setzt aktuell alle Hebel in Bewegung, seine Produkte trotz pandemiebedingter Lieferkettenunterbrechungen zum Kunden zu bringen. Das Unternehmen verwendet dazu unter anderem vermehrt Chartermaschinen, die nur Apple-Geräte aus Asien zu den Märkten in Europa, den USA und anderswo transportieren, meldet der amerikanische IT-Nachrichtendienst The Information. So habe Apple 2020 insgesamt mehr als 200 Flüge mit Privatmaschinen durchgeführt, mehr als in jedem anderen Jahr. Grund sei, dass die aktuellen Lieferpartner – insbesondere Airlines, die Fracht in Passagiermaschinen unterbringen – zu geringe Kapazitäten hatten.

"Apple Air" flog zuvor vergleichsweise selten. So hat Apple laut der Meldung im Jahr 2016 zum Start des iPhone 7 nur drei eigene Flugzeuge gechartert, nachdem die Kapazitäten in Passagierjets aufgebraucht waren. Neben den Privatjets setzt Apple auch vermehrt auf Seetransport. So sollen 2020 erstmals AirPods in Containern transportiert worden sein, neben älteren iPhone-Modellreihen, bei denen es weniger auf Liefergeschwindigkeit ankommt. Dies habe Apple auch getan, um mehr Luftfrachtkapazität für das neue iPhone 12 zu haben, das wichtigste Produkt des letztes Jahres, das im Herbst erschienen war.

Bei Apples neuaufgestellter Logistikkette läuft nicht immer alles rund. So kam es im November zu einem Unglück, bei dem ein Schiff von China nach Kalifornien 1800 Container verlor, mindestens einer soll randvoll mit Kopfhörern der Apple-Tochter Beats gewesen sein. In einem anderen Fall schickte Apple leere iPad-Boxen rund um die halbe Welt. Ein Verteilzentrum in Singapur habe aufgrund erhöhter – Corona-bedingter – Bestellungen aus China für das Tablet keine braune Umverpackungen mehr vorrätig gehabt.

Da diese auch in China nicht mehr vorhanden waren, flog Apple sie einfach aus einem Lager in den Vereinigten Staaten von Amerika ein. Die Umverpackungen aus Wellpappe, die ursprünglich in China produziert worden waren, wurden also von den USA zurück nach China geschickt, um dann mit einem weiteren Flugzeug in Singapur zu landen – von wo aus sie (mit enthaltenen iPads) zurück nach China gelangten. Der Konzern hat laut The Information erstaunlicherweise in der Volksrepublik kein eigenes Verteilzentrum, weil die meisten chinesischen Kunden ihre Geräte über Händler kauften.

Auch im Westen änderte Apple seine Logistikstrategie. So soll der Konzern "kleine Verteilzentren" neben den Logistikanlagen großer Paketdienstleister installiert haben. Bekannt ist auch, dass Apple seine – in vielen Ländern aktuell außer Betrieb gesetzten – Ladengeschäfte zu Logistikhubs ausbauen möchte, um Produkte schneller in Städten zu verteilen. Welche Auswirkungen Apples Vielfliegerei auf die für den Konzern so wichtige Klimabilanz hat, bleibt unklar. Das Unternehmen müsste hier zumindest einen großen CO2-Ausgleich leisten.

(bsc)