Aufsichtsbehörden unterziehen VMware-Übernahme einer genauen Prüfung

Die geplante 61 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme von VMware durch Broadcom wird von den EU- und UK-Aufsichtsbehörden unter die Lupe genommen.

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Eingangsbereich des Unternehmenssitzes von US-Chiphersteller Broadcom in Irvine, US-Bundesstaat Kalifornien.

(Bild: Sasime/Shutterstock.com)

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  • Andreas Knobloch
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Die britische Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde (Competition and Markets Authority, CMA) leitet eine Untersuchung der geplanten 61-Milliarden-Dollar-Übernahme des Virtualisierungssoftware-Riesen Vmware durch Broadcom ein. Die Nachricht kam wenige Tage nachdem bekannt wurde, dass die Europäische Kommission ebenfalls eine Untersuchung dieser größten Tech-Übernahme aller Zeiten begonnen hat.

Auf dem US-Heimatmarkt der beiden Unternehmen hat die Aufsichtsbehörde Federal Trade Commission (FTC) im vergangenen Monat ihre Untersuchung in eine vertiefte zweite Prüfungsphase überführt. Das bedeutet, dass die FTC während ihrer ersten Analyse ausreichend Anhaltspunkte gefunden hat, die eine umfassendere Prüfung rechtfertigen.

VMware zählt zu den führenden Anbietern von Virtualisierungssoftware für Server und Cloud-Lösungen. Mit der Übernahme versucht der Chip-Gigant Broadcom, seinen seit Jahren vorangetriebenen Ausbau der Software-Sparte auszuweiten. So kaufte der Konzern 2019 die Enterprise-Sparte von Symantec samt der Marke für rund 10,7 Milliarden US-Dollar. Wenige Monate nach Verlagerung des Firmensitzes von Singapur in die USA im Frühjahr 2018 erwarb Broadcom dann CA Technologies (früher Computer Associates), einen Entwickler zahlreicher Business- und Cloud-Lösungen.

Das Hauptgeschäft von Broadcom liegt in der Entwicklung von Chips für Modems, Funknetze und Ethernetcontroller, aber auch Mikrocontroller etwa für den Raspberry Pi. Das Unternehmen ist gemessen am Jahresumsatz 2021 nach Qualcomm und Nvidia der drittgrößte Anbieter von Mikrochips ohne eigene Fertigung. Ein Versuch, den Konkurrenten Qualcomm zu übernehmen, scheiterte, nachdem der damalige US-Präsident Donald Trump die Übernahme untersagte.

Diesmal liegen die Dinge etwas anders. Genau draufgeschaut wird aber auch auf diesen Deal. Zwar haben die VMware-Aktionäre grünes Licht für die bevorstehende Fusion gegeben, ein Geschäft dieser Größenordnung wird aber in der Regel durch die Aufsichtsbehörden überprüft. Broadcom hat erklärt, dass man hoffe, die Übernahme bis Oktober 2023 abschließen zu können.

"Wir sind zuversichtlich, dass dieses Geschäft keine wettbewerbsrechtlichen Probleme aufwirft. Wir machen Fortschritte bei unseren verschiedenen behördlichen Einreichungen auf der ganzen Welt und erwarten, dass die Transaktion im Geschäftsjahr 2023 von Broadcom abgeschlossen sein wird", erklärte ein Sprecher von Broadcom gegenüber dem Tech-Nachrichtenportal TechCrunch. "Durch den Zusammenschluss von Broadcom und VMware sollen Unternehmen in die Lage versetzt werden, Innovationen zu beschleunigen und ihre Auswahl zu erweitern, indem sie ihre komplexesten technologischen Herausforderungen in dieser Multi-Cloud-Ära angehen." Man freue sich auf die Zusammenarbeit mit den Regulierungsbehörden.

Die Wettbewerbshüter der EU und Großbritanniens haben sich nun der Überprüfung der Fusion angenommen. Derzeit befindet sich die Untersuchung durch die Regulierungsbehörde der Europäischen Union in der so genannten "Phase 1". Viele der von der Behörde untersuchten Geschäfte werden nach dieser ersten Untersuchung genehmigt, die Behörde kann sich jedoch für eine detailliertere "Phase zwei" entscheiden. Voraussichtlich am 20. Dezember wird sie eine erste Entscheidung treffen, schreibt das US-Computer-Magazin CRN.

Auch die britische CMA hat nun laut TechCrunch eine zweiwöchige Konsultationsphase eröffnet, in der sie Kommentare von "interessierten Parteien" einholen wird. Angesichts der politischen und wettbewerblichen Rahmenbedingungen sei es schwierig vorherzusagen, wie sich das Ganze entwickeln wird. Sollte die CMA zu dem Schluss kommen, dass die Übernahme zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Wettbewerbs auf einem der britischen Märkte führen wird, kann auch sie eine detailliertere Untersuchung einleiten.

(akn)