Safari fehlt der richtige Durchblick: Kritik an Augmented Reality-Unterstützung

Schon seit Jahren engagiert sich Apple mit iPhone und iPad im AR-Bereich. Entwickler stört allerdings, dass der Konzern immer noch kein WebXR unterstützt.

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AR auf dem iPhone – vor einigen Jahren schon.

(Bild: Apple)

Von
  • Ben Schwan

Apple sieht in der Augmented Reality (AR) ein wichtiges Zukunftsfeld: Von der Entwicklungsabteilung bis hin zu Konzernchef Tim Cook singen die Manager des iPhone-Konzerns ein Loblied auf die Technik. Zudem sind iPhones und iPads mittlerweile mit LIDAR-Technik ausgestattet, die es erlauben, AR-Elemente im Raum genauer zu platzieren. Dennoch gibt es nun Kritik an Apples bisherigem Vorgehen: Nach wie vor wird nämlich die nützliche AR-Webtechnik Web XR von Apples Standardbrowser Safari nicht unterstützt.

Wie der IT-Dienst Protocol meldet, stellt Apples Vorgehen eine "große Hürde für die gesamte Industrie" dar. Apple bremse Innovationen im Bereich der Augmented Reality im Web aus, meint etwa Christopher Lepkowski, Experte für Immersive Computing vom AR-Start-up Pretty Big Monsters. Aktuell gebe es kein weiter verbreitetes AR-Gerät als das Mobiltelefon der Menschen. Unternehmen wie Google, Samsung, Meta, Magic Leap oder die Firefox-Macher von Mozilla haben sich deshalb auf den WebXR-Standard geeinigt. Apple bleibt hier allerdings bislang außen vor, setzt stattdessen auf seine eigenen AR-APIs in Safari.

Dabei ist WebXR schon ausreichend ausgereift, meinen Kritiker – in Chrome für Android ist es bereits seit 2018 vorhanden, Konkurrenten wie Opera oder der Samsung-Browser legten vor zwei Jahren nach. Da Apple auf iPhone und iPad den Markt der Browser Engines vollständig kontrolliert und nur WebKit auch für Alternativprogramme wie Chrome oder Firefox vorschreibt, können diese mit WebXR nicht nachlegen. Durch das Fehlen von WebXR verliert man so viele Nutzer. Wird die Technik eingesetzt, sind iPhone-Nutzer draußen.

AR-Experten wie Lepkowski sehen auch das Problem, dass die AR-Nutzung auf Smartphones dadurch nicht vorankommt. Tatsächlich hat sie aktuell noch etwas Gadget-haftes. Apple verwendet die eigene Technik im Browser etwa für kleine, "begehbare" Grafiken auf den jeweiligen Landing-Pages seiner Keynote-Veranstaltungen. Diese sind dann nur auf iPhone und iPad zu sehen. Laut aktuellen Untersuchungen sollen nur 15 Prozent der Smartphone-Benutzer überhaupt jemals im Web über AR gestolpert sein. In Programmen wie Snapchat ist die Technik deutlich bekannter. "Wir würden viel mehr alltägliche AR-Benutzung im Web haben, wenn es nicht diesen Widerwillen [Apples] geben würde", so Lepkowski.

Apple selbst arbeitet unterdessen weiter an einer eigenen AR-Brille, die vermutlich erst im nächsten Jahr auf den Markt kommen wird. Von "Killer Apps" für Augmented Reality auf dem iPhone hört man unterdessen wenig. Firmen, die AR in WebKit verwenden wollen, ohne stets ihren Code komplett an die Apple-Technik anzupassen, verwenden unterdessen einen Workaround. Dieser kommt von der Niantic-Tochter 8th Wall, der bestehende Browser-APIs nutzt, um AR-Erfahrungen auch in Safari zu holen. Dabei fehlen allerdings die von Apples ARKIt gewohnte enge Hardware-Integration. Wann und ob Apple WebXR unterstützen wird, ist unklar – das Thema wird vom iPhone-Konzern aktuell nicht kommentiert.

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(bsc)