Ausprobiert: CNC-Fräse YetiTool Smartbench

Speziell für die Bearbeitung großer Holz- und Kunststoff-Platten vor Ort ist die mobile Smartbench-Fräse von YetiTool gedacht, die völlig autark arbeiten kann.

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Von
  • Carsten Meyer

Die große, aber trotzdem zerlegbare und in weniger als fünf Minuten aufzubauende Fräse des englischen Herstellers YetiTool, die in Deutschland von SauterShop vertrieben wird, wendet sich vornehmlich an Tischlereien, Messe- und Küchenbauer, sie dürfte aber auch in größeren Fablabs gut aufgehoben sein. Das Gerät ist spezialisiert auf die 2,5D-Bearbeitung von Plattenware wie etwa Küchenarbeitsplatten oder auch ganzer Türen – das Werkstück darf dank der raffinierten Auflage-Vorrichtung bis zu 2500 mm × 1250 mm groß sein. Tatsächlich lässt sich die Fräse im Handumdrehen zusammen- und auseinanderbauen und kann platzsparend im Lieferwagen transportiert werden; für den Aufbau sind allerdings zwei Personen ratsam.

Mit einer Arbeitslänge von 2,5 Metern kann die YetiTool Smartbench sogar Ausschnitte in Türen oder Küchenarbeitsplatten fräsen.

Die CNC-Fräse besteht aus einem stabilen Aluminium-Untergestell in der Größe eines Tapeziertisches und einer X-Traverse, die in die Linearführungen des Tisches eingehängt wird. Der Antrieb erfolgt durch zwei große Nema-23-Schrittmotoren pro Achse über Zahnstangen; als Wiederholgenauigkeit gibt der Hersteller 0,125 mm an. Die höhenverstellbare X-Traverse gleitet mit Rollen über das Werkstück und unterstützt dieses auch von unten, sodass es seitlich überhängen darf – raffiniert!

Die X-Traverse gleitet über Rollen über das Werkstück, hier eine MDF-Platte.

Da die X-Achse mit ihrem Gewicht teilweise auf dem Werkstück lastet, genügt eine wenig anspruchsvolle Einspannung; bei ganz leichten Arbeiten (etwa beim Fräsen eines Reliefs oder einer Intarsie) reicht sogar das Eigengewicht der Platte selbst, um ein Verrutschen zu verhindern. Ansonsten dienen Nuten im Frästisch zum Einspannen, notfalls kann man das Werkstück auch einfach auf den eingesetzten Multiplex-Platten festschrauben.

Gut gelöst ist die Staubabsaugung über den transparenten Staubkorb, der das Werkzeug vollständig umschließt. Der mitgeführte Spiralschlauch wird unterseitig einfach an einen Staubsauger angeschlossen. Beim Setzen des Arbeits-Nullpunkts wird man in der Pro-Version von einem Kreuzlaser unterstützt, die Maschine rechnet den Offset zur Werkzeugspitze automatisch heraus.

Der Werkzeugwechsel gestaltet sich durch den geschlossenen Staubkorb etwas umständlicher, man muss dafür den Fräsmotor (ein 1000W-Modell von Mafell mit Drehzahl-Fernsteuerung, den bekannten Kress-Fräsmotoren recht ähnlich) ausbauen. Dank der passgenauen Klemmung mit leicht zugänglicher Anzugsschraube geht das aber recht schnell. Beim "Nullen" der Z-Achse hilft ein kapazitiv arbeitender Sensor in Form einer runden Scheibe, die seitlich in der Z-Konstruktion steckt und so immer schnell zur Hand ist.

Eine Besonderheit der Maschinensteuerung in Form eines robusten, abnehmbaren Touchpads ist, das diese nur "offline" arbeitet; eine direkte Steuerung der Maschine über G-Codes von einem PC aus ist nicht vorgesehen. Stattdessen überträgt man die mit einer beliebigen CAM-Software vorbereiteten G-Code-Files über USB-Stick oder WLAN auf das Gerät und lässt sie dann abarbeiten. Da das Gerät unzählige Dateien im internen Speicher halten kann, ist das in der Praxis kein Nachteil; beispielsweise kann ein Küchenbauer so auf vorgefertigte Daten für den Ausschnitt einer bestimmten Spüle zurückgreifen.

Zum Werkzeugwechsel muss man den Fräsmotor kurz ausbauen.

Die Schrittmotorsteuerung selbst arbeitet mit dem GRBL-Befehlssatz, der den G-Code-Standard nahezu vollständig unterstützt. Mit dem preiswerten ESTLCAM oder dem leistungsfähigen (und vom Hersteller empfohlenen) Vectrix V-Carve lassen sich die G-Code-Dateien problemlos erzeugen. Für "mal eben"-Anwendungen hält das Touchpad noch Funktionen für kreis- und rechteckförmige Fräsungen mit einstellbaren Abmessungen bereit.

Die Maschine lässt sich dank des Touchpads nach kurzer Einarbeitung auch von CNC-Unkundigen bedienen.

Ganz billig ist die große Smartbench-Fräse allerdings nicht: Importeur Sauter ruft für die Basisversion 6698 Euro auf, die uns zur Verfügung gestellte Pro-Version mit Kreuzlaser, doppelter Z-Spindelführung und Echtzeit-Anzeige der aktuellen Motor-Last im Display kostet 7104 Euro.

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