Ausprobiert: Linux-Desktopumgebung Cinnamon 4.8

Der hauseigene Desktop von Linux Mint verbessert die Integration von Flatpaks und unterstützt dabei, oft genutzte Dateien und Ordner wiederzufinden.

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Von
  • Niklas Dierking

Noch dieses Jahr soll Linux Mint 20.1 "Ulyssa" erscheinen. Die Entwickler des Mint-Teams veröffentlichen mit Cinnamon 4.8 vorab eine neue Version der hauseigenen Desktopumgebung. Interessierte können Cinnamon 4.8 jetzt schon installieren und dem Mint-Team Feedback geben. Das ermöglicht den Entwicklern, dem Desktop noch Feinschliff zu verleihen, bevor sie Cinnamon 4.8 mit Linux Mint 20.1 ausliefern. Wir haben den neuen Cinnamon-Desktop ausprobiert.

Eine der sichtbaren Neuerungen ist die Favoritenfunktion. Anwender können Dateien und Ordner nun als Favoriten festzulegen. Dazu verfügt der Dateimanager Nemo über den neuen Eintrag "Add to favorites" im Kontextmenü. Als Favoriten markierte Dateien und Ordner lassen sich nun bequem über das Hauptmenü oder aus der Baumansicht in der Seitenleiste von Nemo aufrufen. Wer auch aus der Taskleiste auf die Favoriten zugreifen möchte, installiert das Favoriten-Applet. Im Linux Mint Blog zeigen die Entwickler, dass es auch möglich sein soll, die Favoriten direkt über die Werkzeugleiste von Applikationen zu importieren. Im Manjaro-Testsystem mit Cinnamon 4.8 stand der betreffende Eintrag nicht zur Verfügung.

Cinnamon 4.8 erleichtert es Nutzern, Flatpaks im Menü als solche zu erkennen. Tritt der Fall ein, dass eine Applikation sowohl als Flatpak, als auch als klassisches Paket, vorliegt, hängt Cinnamon "(Flatpak)" an den Namen an. Das ermöglicht es, die gewünschte Version gezielt aus der Anwendungsübersicht zu starten.

Die Cinnamon "Spices" erlauben es dem Cinnamon-Desktop Applets, Themes Desklets und andere Extensions hinzuzufügen, beispielsweise eine Farbpipette in der Taskleiste. Ein neues Release von Cinnamon hatte in der Vergangenheit oft zu Kompatibilitätsproblemen geführt, weil die Maintainer der Erweiterungen diese für die neue Cinnamon-Version spezifizieren mussten. Die Erweiterungen halten nun, ähnlich wie Gnome-Extensions, unterschiedlichen Quellcode für die jeweilige Version von Cinnamon bereit. Cinnamon installiert jetzt stets die passende Version.

Linux-Desktopumgebung Cinnamon 4.8 (4 Bilder)

Linux Desktopumgebung Cinnamon 4.8

Cinnamon 4.8 mit dem Dateimanager Nemo.

Zu den technischen Neuerungen zählt die Funktion "Suspend-then-Hibernate". Wechselt das System in den Bereitschaftsmodus (Suspend), so weist Cinnamon den Rechner nach einer gewissen Zeit Inaktivität an, in den Ruhezustand (Hibernation) zu überzugehen. Der Cinnamon JavaScript Interpreter (CJS) basiert ab Cinnamon 4.8 auf Mozillas JavaScript-Engine "Mozjs78". Die Entwickler schreiben im Mint-Blog, dass dieser Wechsel anderen Distributionen erleichtert den Cinnamon-Desktop zur Verfügung zu stellen. Außerdem soll der Cinnamon-Desktop dadurch sowohl in Linux Mint als auch in anderen Distributione, schneller starten.

Der Cinnamon-Desktop bewegt sich mit der Version 4.8 einen überschaubaren Schritt nach vorn. Die neuen Funktionen erscheinen einzeln betrachtet nicht bahnbrechend, erweitern den Funktionsumfang des Cinnamon-Desktops aber sinnvoll. Die klare Markierung von Flatpaks im Menü hilft, den Überblick die Anwendungen zu bewahren. Mit den global aufrufbaren Favoriten bieten die Entwickler eine praktische Ergänzung zu den Nemo-eigenen Lesezeichen an. Nutzerinnen und Nutzer, die den Desktop gerne mit diversen Erweiterungen versehen, freuen sich über das verbesserte Versionsmanagement für die Cinnamon-Spices. Cinnamon 4.8 macht Lust auf das kommende Linux Mint 20.1, das für Ende 2020 angekündigt ist.

Cinnamon 4.8. ist bereits im Community-Repository von Arch Linux verfügbar. Auch im "Testing"-Branch von Manjaro steht Cinnamon 4.8 zur Installation bereit. Mehr Informationen zum Entwicklungsfortschritt von Linux Mint und Cinnamon gibt es im Projekt-Blog zu lesen. Alle Neuerungen in Cinnamon 4.8 finden Interessierte im Changelog des GitHub-Repository.

(ndi)