Ausprobiert: MakuluLinux in der "LinDoz"-Edition für Windows-Umsteiger

Fensterputz mit Pinguin: "LinDoz" soll Windows-Umsteigern eine vertraute Desktopumgebung auf Linux-Basis bieten. Wir haben die Distribution ausprobiert.

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Makulu Linux in der LinDoz-Edition möchte Windows-Nutzern den Umstieg erleichtern.

(Bild: Screenshot)

Von
  • Martin Gerhard Loschwitz
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Viele der Faktoren, die einen Umstieg auf Linux früher erschwert haben, spielen heute keine große Rolle mehr: Die starke Abhängigkeit von Windows-spezifischen Anwendungen wie Microsoft Office ist vielerorts Geschichte, immer mehr Workload wandert in die Cloud und zahlreiche beliebte Programme sind ohnehin längst plattformübergreifend verfügbar. Dennoch sehen sich Windows-Nutzer, die zu Linux wechseln wollen, oftmals mit Schwierigkeiten konfrontiert. Sie empfinden viele Eigenschaften des Systems – nicht zuletzt Optik und Bedienung – als ungewohnt und das Anpassen des Systems an die eigenen Bedürfnisse fällt schwer, weil ein Gegenstück zur Systemsteuerung unter Windows vermeintlich fehlt.

Einige Linux-Distributionen wollen diesen Nutzern den Umstieg erleichtern – so auch MakuluLinux in der LinDoz-Edition, die kürzlich in einer neuen Version (2021-03-11) erschienen ist. Ziel des Makulu-Teams ist es, ein Betriebssystem bereitzustellen, das Windows hinsichtlich Optik und Verhalten stark ähnelt, zugleich aber auch eine gewisse Eigenständigkeit mitbringt. Wir haben uns LinDoz im Hinblick auf die Frage angeschaut, ob es als Drop-In-Replacement für Windows-Umsteiger geeignet ist.

MakuluLinux präsentiert sich wie dieser Tage üblich als Live-Distribution mit eingebautem Installer. Durchaus wuchtig ist die ISO-Datei, die den Downlink mit fast zwei GByte beansprucht und aus der sich das Grundsystem samt aller wichtigen Zusatzwerkzeuge installieren lässt. Nach dem Start der ISO landet man auf dem LinDoz-Desktop. Unpraktisch: Von der Live-CD aus ist der gesamte Desktop ausschließlich in englischer Sprache verfügbar. Nicht jeder Anwender spricht indes so gut englisch, dass er sich die Installation eines Betriebssystems in dieser Fremdsprache zutraut. Die locales für die deutsche Sprachumgebung lassen sich glücklicherweise aber auch im Live-System nachrüsten und nach einem Logout und erneuten Login erscheinen Teile des Desktops – einschließlich der Installationsroutine – auf Deutsch.

Die Installationsroutine bringt Makulu zuverlässig auf die Festplatte, zickt aber bei der Sprachauswahl.

(Bild: Screenshot)

Knifflig besonders für Einsteiger könnte während des Installationsvorgangs die Auswahl des richtigen Partitionsschemas werden, wenn Windows und Linux parallel auf derselben Platte laufen sollen. Wer LinDoz von Makulu erstmal auf einem alten System ohne parallelles Windows testen möchte, wählt hier aber einfach die Option aus, Makulu die gesamte Festplatte nutzen zu lassen.

Nach einem Neustart des Systems durch den Installationsassistenten kann LinDoz verwendet werden. Da der Installer die zuvor festgelegte Spracheinstellung unterwegs wieder vergisst, muss das installierte System mittels "Language Installer" nochmals auf Deutsch umgestellt werden.

Ärgerlich sind die unnötig komplizierten Spracheinstellungen auch deshalb, weil dadurch der "MakuluLinux Setup Manager" mit seinem Willkommens-Bildschirm erstmal nur in Englisch zur Verfügung steht. Davon abgesehen wird ab dieser Stelle aber klar, dass sich die Entwickler wirklich große Mühe gegeben haben, ihren Standard-Desktop mit Open-Source-Werkzeugen so gut wie möglich an die Optik eines Windows 10, mitunter auch kombiniert mit Elementen aus früheren Windows-Versionen, anzupassen.

Eine Start-Leiste mit Tray-Icon, alles in dezentem Dunkelgrau gehalten, ein Start-Menü mit nachgeahmter Kacheloptik sowie der schon aus dem Live-System bekannte Desktop-Hintergrund schaffen eine heimelige Atmosphäre für Windows-Anwender. Den größten Stilbruch verursachen die Symbole, die mit den Originalen von Windows rein gar nichts zu tun haben. Vermutlich sollen sie das aber auch nicht, weil Redmond Icons mit allzu großer Ähnlichkeit auf rechtlichem Wege den Garaus machen könnte.

Im Video (ab etwa 1:34) präsentieren die Entwickler unter anderem auch die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Themes zu wechseln.

Dem Anspruch gemäß, mehr als nur ein Windows-Klon zu sein, ist in der aktuellen LinDoz-Ausgabe erstmals ein Theme-Umschalter verfügbar. Mit ihm lässt sich das Aussehen des Desktops von der Windows-Imitation hin zu einer von zwölf anderen, vordefinierten Ansichten verändern.