Ausprobiert: Platinen mit kostenloser SMD-Bestückung

Der chinesische Leiterplatten-Gigant JLCPCB bietet eine kostenlose SMD-Bestückung für dort bestellte Platinen an – das mussten wir umgehend testen.

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Von
  • Carsten Meyer

Wer knapp bei Kasse ist und zwei Wochen warten kann, bestellt seine Platinen bei chinesischen Anbietern – die sind dort einfach unschlagbar günstig. Schon bei 5 oder 10 gleichen Platinen erhält man die halbe Eurokarte (100mm x 80mm, doppelseitig) oft für weniger als einen Euro pro Stück.

Der chinesische Leiterplatten-Gigant JLCPCB bietet nun eine kostenlose SMD-Bestückung für dort bestellte Platinen an – will heißen: Natürlich kosten die Bauelemente etwas (das ist wörtlich gemeint: Das Preisniveau liegt meist deutlich unter dem des hiesigen Großhandels), aber die maschinelle Bestückung wird nicht berechnet. Die Mindestbestellmenge beträgt 5 Stück; JLCPCB verteilt großzügig Coupons für Erstbesteller, so dass auch die einmaligen Kosten für die Maschineneinrichtung (4 US-$) entfallen.

Was man dafür tun muss: Ein Häkchen bei der Bestellung setzen und gleichzeitig mit den Gerber-Files für das Layout auch eine Stückliste (BOM, Bill of Materials) und eine Tabelle mit den Bauteilepositionen (CPL, Component Position List) im Excel-Format hochladen. Die Excel-Tabelle sollte allerdings den Vorgaben des Herstellers entsprechen, Beispiel-Vorlagen finden sich auf dessen Webseite. Derzeit ist nur eine einseitige Bestückung möglich.

Ausrichtung der Bauteile für eine reibungslose Bestückung

Die Positionsliste aus dem Layout-Programm (oft eine CSV-Textdatei) muss zunächst in eine Excel-Tabelle importiert werden. Zu beachten ist bei den Bauteilepositionen, dass diese in Millimetern und mit Dezimalpunkt angegeben werden müssen, die Zellen sollten dazu als "Text" formatiert sein. Etwas kritisch ist die Rotation des Bauteils: 0° bedeutet, dass das Bauteil, so wie es von der Rolle kommt, nicht gedreht werden muss. Die Verarbeitungssoftware des Herstellers ist allerdings so schlau, die Bauteile-Drehung notfalls anhand des Platinenaufdrucks zu korrigieren.

Wenn alles korrekt ist, erhält man vor dem Abschicken der Bestellung noch eine Vorschau der Platine und der Bauteilepositionen. Sollten die nicht mit dem angezeigten Layout konvergieren, versucht man es nach Überarbeiten der CPL-Tabelle besser noch einmal, ansonsten wird möglicherweise eine "Engineering Fee" (4 bis 7 US-Dollar) fällig.

Wenn die Daten in Ordnung sind, sollten die Previews für Layout und Bestückung deckungsgleich sein.

Schon beim Design der Platine sollte man möglichst nur Bauteile verwenden, die der Lieferant auch ständig auf den Maschinen hat – andere (lagernde) Bauteile gelten als "Extended Part" und kosten eine kleine Gebühr extra. So ist zum Beispiel der gängige ATmega328PA (Preis: 1,79 US-Dollar bei Abnahme von 10 Stück) ein "Basic Part", der ATmega168PA dagegen ein "Extended Part". Die Widerstände und Keramikkondensatoren in den Bauformen 0402 bis 1206 sind in der Regel (bis auf krumme Werte) "Basic Parts" (Preisbeispiel bei Abnahme von 100 Stück: 100n-Kondensator 0,4 US-Cent, 74HC164-Schieberegister 6 US-Cent).

Die Bestellnummern der Bauteile mit den vorgegebenen Angaben zum Footprint (Gehäuse-Bauform) müssen ohnehin in die CPL-Liste, man sucht die Bauteile also tunlichst vorher aus dem JLCPCB-Lagerbestand zusammen. Dann geht alles ganz schnell: BOM und CPL hochladen, Vorschau kontrollieren und Bestellung abschicken. Als Versandmethoden bietet JLCPCB die Optionen DHL Express (teuer, aber extrem schnell und zuverlässig) und EuroPacket an, wobei letztere vor dem Versand ein europäisches Versandzentrum zur Zollabwicklung durchläuft und ein paar Tage später ankommt (das Paket ist dann 6 bis 8 Tage unterwegs). Im Rechnungsendbetrag sind die Zollabgaben bereits enthalten, man kann bequem mit PayPal zahlen.

Knapp zwei Wochen nach Bestellung erhielten wir unsere bestückten Musterplatinen.

Unsere zweiseitigen Musterplatinen waren von guter Qualität, sorgfältig bestückt und gelötet; in der CPL/BOM nicht angegebene Positionen werden einfach unbestückt gelassen (wichtig für manuelle Nachbestückung: Pads sind blank und haben keinen Lötzinnklecks drauf). Erwähnenswert ist noch, dass man verschiedene Lötstopplack-Farben ohne Aufpreis erhält und die Verzinnung per Default verbleit ist (lässt sich als Option auf bleifrei umstellen). Letzteres dürfte für den Heimanwender ohne Belang sein, der wegen schönerer Lötstellen ohnehin noch verbleit lötet.

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