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Ausprobiert: Post Focus mit der Panasonic GX8

Erst fotografieren, dann scharfstellen: Panasonic kommt diesem Konzept mit einem Firmware-Update recht nahe. Wir haben die neue Post Focus-Funktion ausprobiert.

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Seit dem Update auf die neue Firmware-Version beherrscht Panasonics GX8 die sogenannte Post-Focus-Funktion. Fotografen sollen so erst nach der Aufnahme die Schärfeebene ihres Motivs auswählen können. Dafür nimmt die Kamera eine 4K-Serie mit 30 Bildern pro Sekunde auf und fährt bis zu 49 Bildbereiche mit unterschiedlicher Schärfeebene ab. Jeder Frame besitzt dabei etwa eine Auflösung von 3328 × 2496 Pixeln (4:3), was einem 8-Megapixel-Foto entsprechen würde.

Panasonic integriert die Post-Focus-Option ins dritte Fenster des Aufnahmemenüs der GX8. Sobald Fotografen die Funktion aktivieren, setzen sich Bildgröße und -qualität automatisch auf "4K 8M" beziehungsweise "JPEG". Die Kamera nutzt dann außerdem nicht mehr die gesamte Sensorfläche zur Aufzeichnung, was einen engeren Bildausschnitt zur Folge hat. Die Funktion ist in den gängigen Belichtungsmodi verfügbar.

Sobald der Auslöser betätigt wird, kann man dem Autofokus beim Arbeiten zuschauen. Mit einem ruhigen Händchen ist es dabei durchaus möglich, aus der Hand zu fotografieren. Wer eine 4K-Serie mit exakt deckungsgleichen Aufnahmen will, muss allerdings auf ein Stativ zurückgreifen.

Im Wiedergabe-Modus wählen Fotografen anschließend aus, welche Schärfeebene ihres Motivs als Einzelbild abgespeichert werden soll. Dafür tippen sie mit dem Finger einfach auf den gewünschten Bereich des Motivs. Der Wechsel zwischen den Ebenen funktioniert auf dem Display sehr flüssig.

Die Kamera speichert die 4K-Serie als MP4-Datei ab, aus der einzelne Frames außerdem später am PC entnommen werden können. Wie dieser kurze Videoschnipsel aussieht, zeigen wir hier.

Die Bilder haben für 8-Megapixel-Aufnahmen einen knackigen und klaren Bildlook, der auch noch feine Details erkennen lässt. Diese Bilder taugen durchaus für den Druck – für A4 sollte es allemal reichen.

Post Focus: Beispielhafte Fokus-Reihe (7 Bilder)

Aus dem Post-Focus-Video haben wir beispielhaft einige Schärfeebenen entnommen. Gearbeitet haben wir bei f/5.0, ISO 200 und 1/50 s.

Die Post-Focus-Funktion eignet sich eher für statische Motive mit starrem Aufbau. Hier spart sie vor allem Zeit, denn der Fotograf muss nicht alle Schärfeebenen selbst durchspielen. Auch für die Makro-Fotografie ergeben sich interessante Möglichkeiten, da mit einem Auslöserdruck eine ganze Fokus-Reihe erfasst wird, die beispielsweise später am PC zu einer durchgehend scharfen Aufnahme zusammengesetzt werden kann. Auch für Landschaftsfotografie, Schärfefahrten oder GIFs ergeben sich spannende Möglichkeiten. Wir sind gespannt, wie die Foto-Gemeinde Post Focus in den kommenden Monaten für sich nutzen wird.

Ein Nachteil bleibt dabei allerdings die geringere Auflösung. Außerdem können Fotografen nicht auf Raw-Daten zurückgreifen. Hinzu kommt, dass sie bei einer Bildrate von 30 Bildern pro Sekunde nicht mehr flexibel über die Belichtungszeit bestimmen können – entweder die Beleuchtung stimmt, oder die ISO-Empfindlichkeit muss hoch. Die GX8 erlaubt in diesem Modus keine Verschlusszeiten, die länger als 1/30 Sekunde dauern.

Mit dem Konzept "Erst fotografieren, dann scharfstellen" sorgte in den vergangenen Jahren das Startup Lytro für Aufsehen. Das Unternehmen entwickelte dafür Kameras, die mit Lichtfeld-Technik arbeitet. Jedes einzelne Pixel auf ihrem Sensor erfasst nicht nur die Lichtintensität, sondern auch die Lichtrichtung.

Mit der Illum wandte sich Lytro im vergangenen Jahr an Foto-Enthusiasten. Die Auflösung ihres Lichtfelds gab das Startup mit 40 Megarays an. Die Illum soll damit also Einfallsrichtung, Farbe und Intensität von 40 Millionen Lichtstrahlen differenzieren können. Die Aufnahmen der Illum kommen auf eine vergleichsweise geringe Auflösung von vier Megapixeln.

Praxisbilder Lytro Illum (8 Bilder)

Die LFR-Files, die mit der Lytro aufgenommen werden, lädt man zur Nachbearbeitung in die Software Lytro Desktop.
(Bild: Sebastian Arackal)

Die Panasonic-Technik ist hier also schon einmal im Vorteil. Außerdem steckt sie in einer herkömmlichen Kamera, die herkömmlich fotografiert und filmt. Aufnahmen gibt sie direkt als JPEG aus. Nutzer müssen nicht den Umweg über eine weitere (Cloud-)Software gehen. Außerdem spricht der Preis für Panasonic. Die Illum sollte zum Marktstart rund 1600 Euro kosten, mittlerweile gibt es sie schon für knapp 800 Euro. Panasonic integriert seine Post-Focus-Technik gleich in drei Kameras. Dazu gehören neben der GX8 auch die spiegellose Systemkamera G70, die es für knapp 730 Euro inklusive Objektiv gibt, sowie die Bridgekamera FZ300 für knapp 530 Euro. (ssi)