Ausprobiert: Zweiter Mobilfunkanschluss fürs iPhone vom Sofa aus

Simquadrat bietet eine eSIM an, die sich komplett im Web bestellen und freischalten lässt. Wir haben ausprobiert, wie das mit Apple-Handys geht.

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Auch Prepaid-Tarife fürs Handy gab es bislang nur mit etwas physischer Mühe. So musste man sich beispielsweise in die Räumlichkeiten eines Discounters begeben, um die SIM abzuholen – oder in einem Laden von Telekom, O2 oder Vodafone vorbeispazieren, um sich die entsprechende Karte zu besorgen; jeweils inklusive Identifizierung per Personalausweis. Alternativ gab es das Kärtchen per Post, was ebenfalls einige Tage in Anspruch nahm.

Simquadrat, ein Angebot des deutschen Voice-over-IP-Pioniers Sipgate, verspricht nun, den gesamten Vorgang zu digitalisieren. Dabei setzt das Unternehmen auf die ins Gerät integrierte SIM-Karte, kurz eSIM genannt, die man beliebig per Software bestücken kann. Unterstützt wird selbige mittlerweile von zahlreichen Geräten, unter den Smartphones sind das etwa Apple, Google, Samsung, Motorola oder Huawei. Wir hatten für unseren Kurztest ein iPhone XR parat, es hätte aber auch ein 11, 11 Pro, 11 Pro Max, XS, XS Max oder SE 2020 sein können.

Sipgate hat den kompletten Bestell- und Freischaltprozess ins Netz verlagert. Als Mobilfunknetz wird dabei O2 mit LTE verwendet. Es wird ein Sprach- mit einem Datentarif kombiniert, wobei man eines von beidem auf Wunsch auch weglassen kann (komplett ohne Daten zum Nulltarif geht's auch, dann sind nach 100 Freiminuten 9 Cent in alle Netze zu entrichten).

Die Tarife halten sich für Prepaid-Angebote im Rahmen. So ist eine Deutschland-Sprachflat für 5 Euro zu haben, eine EU-Flat mit acht zusätzlichen Ländern für 20 Euro. Die Datentarife sind etwas knausrig: 1 GByte kosten 5 Euro, 2,5 GByte 10 Euro und 5 GByte 15 Euro. Maximale Durchsatzrate sind 50 Megabit pro Sekunde im Download). 500 MByte zusätzlich kosten zum Nachtanken 5 Euro.

Gut gelöst ist der Setup-Prozess. Als Nutzer muss man nur seine Daten eingeben und wird dann auch schon zu einem Authentifizierungsanbieter weitergeleitet. Dieser checkt, wie man das mittlerweile bei vielen Banken sowie anderen Mobilfunkanbietern kennt, per Kameraverbindung im Browser oder alternativ per App den Personalausweis und überprüft die Korrektheit der Angaben – eine Vorgabe seitens des deutschen Staates, die mittlerweile auch bei Prepaid-Angeboten gilt.

Ist der Prozess abgeschlossen, blendet die Simquadrat-Website einen QR-Code ein. Beim iPhone begibt man sich dann in die Systemeinstellungen und fügt das eSIM-Profil einfach per Kamerablick hinzu. Steckt im Gerät bereits eine andere SIM, hat man nun gleich zwei Mobilfunknummern und gegebenenfalls Datentarife parat.

Letzteres kann durchaus Vorteile haben, etwa wenn ein Mobilfunknetz stärker ist als das andere. So surft man in der Berliner U-Bahn über das Telekomnetz noch an vielen Stellen über eine extrem lahme Edge-Verbindung, während O2 seit Jahren LTE oder mindestens 3G bereitstellt. In den iPhone-Einstellungen kann man aktivieren, dass das zweite Netz automatisch aktiviert wird, wenn der Empfang in Netz eins zu schlecht ist – prima für besagte U-Bahn-Situation.

Auf dem iPhone kann man anschließend verschiedene Einstellungen vornehmen, wozu man welche Mobilfunkverbindung verwenden will – etwa welcher Datentarif eingesetzt werden soll und mit welchem Kontakt über welche Telefonnummer gesprochen wird. Mittlerweile lassen sich zudem auch iMessage-Nachrichten und FaceTime-Kommunikationen über beide Nummern abwickeln.

Alles in allem zeigt Simquadrat, wie einfach eSIM-Tarife die Aktivierung einer neuen Mobilfunkverbindung machen können – der ganze Prozess dauert keine Viertelstunde. Die Konkurrenz, die eSIM-Codes lange noch per Post verschickt hat, kann hier einiges lernen.

Was übrigens leider nicht geht: Simquadrat unterstützt Apples eSIM-gestüzte Apple Watch nicht. Das liegt aber nicht an Sipgate, sondern an Apple und seinen Mobilfunkpartnern, die sich hier Exklusivrechte gesichert haben.

(bsc)