Außerirdische Signale in China entdeckt? – Beteiligter Forscher widerspricht

Ein bereits gelöschter Bericht aus China hat für Aufsehen gesorgt, da in ihm über ein mögliches Signal von Aliens spekuliert wurde. Ein Forscher widerspricht.

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Das riesige Five-hundred-meter Aperture Spherical radio Telescope

(Bild: FAST)

Von
  • Martin Holland

Ein bisher nicht zu erklärendes Signal, das mit dem riesigen Radioteleskop FAST in China empfangen wurde, geht "ziemlich sicher" auf Menschen zurück. Das versicherte ein an dessen Erforschung beteiligter Astrophysiker und widersprach damit Berichten, die nahelegten, dass die Verantwortlichen eine außerirdische Zivilisation als Ursprung vermuten würden.

Zuvor hatten Medien in aller Welt auf einen wissenschaftlichen Bericht zu dem Signal verwiesen, über den auf der chinesischen Nachrichtenseiten Science and Technology Daily geschrieben worden war, bevor der Artikel aus unbekannten Gründen gelöscht wurde. Der oft zitierte Chef der Forschungsgruppe, Zhang Tong-Jie, hatte gegenüber Cnet bereits versucht, die Spekulationen über mögliche Aliens einzudämmen.

Das entdeckte Signal hat den Berichten zufolge eine extrem geringe Bandbreite und wurde bei einer Frequenz von 140,604 MHz gefunden. Solch schmalbandige Signale würden normalerweise nicht natürlich produziert. Mit dem riesigen Radioteleskop FAST (Five-hundred-meter Aperture Spherical radio Telescope – Spitzname "Sky Eye") wurde es demnach gleich dreimal gemessen. In chinesischen Quellen wurde dem Wissenschaftsmagazin Live Science zufolge gleich mehrfach eine Verbindung zu möglichen Außerirdischen hergestellt, ein nicht beteiligter Forscher nannte sie sogar als "wahrscheinlich" verantwortlich. Dem hat der an der Erforschung beteiligte US-Forscher Dan Werthimer gegenüber dem Magazin nun deutlich widersprochen.

Werthimer erklärt Live Science, dass man zwar tatsächlich nach Signalen außerirdischer Zivilisationen suche, aber vor allem "Zillionen" Signale irdischen Ursprungs finde. Mit dem besonders sensiblen Radioteleskop in China finde man Spuren von Mobiltelefonen, Fernsehern, Radaranlagen und Satelliten: "Wenn man noch etwas neu dabei ist und nicht all die verschiedenen Arten dieser Interferenzen kenne, ist es einfach, zu früh begeistert zu sein." Auch wegen der wachsenden Zahl von Satelliten im All werde es schwieriger, die Interferenzen zu erkennen. Werthimer ergänzt noch, dass man vor 100 Jahren nicht nach außerirdischen Signalen haben suchen können und SETI (für "Search for Extraterrestrial Intelligence") in 100 Jahren wegen solcher Störungen vom Erdboden aus nicht mehr möglich sein dürfte. Man befinde sich in einem einzigartigen Zeitfenster – mit den zunehmenden Schwierigkeiten.

Außerdem sei es sowieso nicht unwahrscheinlich, dass wir ganz falsch suchen würden und im Radiospektrum überhaupt keine Signale zu empfangen sind. Er jedenfalls wäre nicht überrascht, wenn das der Fall wäre. Noch vor 200 Jahren sei vorgeschlagen worden, mit großen Feuern, riesigen Spiegeln oder gigantischen Dreiecken mögliche Lebewesen auf dem Mars zu kontaktieren. Inzwischen halte man das für idiotisch – und wer wolle widersprechen, dass nicht in wieder 200 Jahren genauso über uns gedacht werde? Gleichzeitig bleibt er zuversichtlich, dass wir nicht allein sind und Leben insgesamt ziemlich verbreitet sein könnte. Die jetzt entdeckten Signale sollen jedenfalls weiter untersucht und ihr Ursprung ergründet werden. Das könnte noch etwas dauern, hat Zhang Tong-Jie gewarnt. Es wäre nicht das erste Mal, dass nach viel Spekulationen am Ende eine irdische Erklärung übrig bleibt.

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(mho)