Auswertung der Datenspende: "Die Corona-Warn-App warnt die Richtigen"

Wer über die CWA eine rote Kontaktwarnung erhält, hat sich mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit angesteckt als nach einem grünen Hinweis, zeigt eine Analyse

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(Bild: Wirestock Creators/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Holland

Wer positiv auf Covid-19 getestet wird und die Corona-Warn-App zur Warnung von Kontaktpersonen nutzt, alarmiert im Schnitt fünf Personen. Von denen, die daraufhin selbst einen PCR-Test machen lassen, erhalten dann wiederum rund ein Fünftel ein positives Ergebnis. Unter den im Schnitt 11 Personen, die jeweils einen Hinweis auf eine Risikobegegnung mit niedrigem Risiko erhalten, ist die Quote dagegen weniger als halb so hoch. Die Corona-Warn-App warne also die Richtigen, schlussfolgert ein Forschungsteam, das freiwillig weitergegebene Daten aus der App auswertet. Seit März können Nutzer und Nutzerinnen im Rahmen einer Datenspende Informationen für solch eine wissenschaftliche Auswertung teilen.

Seit Anfang März und der Version 1.13 der App zur Kontaktverfolgung können mit dem Anbieter der App automatisch Informationen zu Risikobegegnungen, aber auch empfangenen und übermittelten Warnungen über Risikobegegnungen geteilt werden. Optional können außerdem Angaben zum Bundesland und zum Kreis eingetragen werden, in denen man wohnt, sowie zur eigenen Altersgruppe. Nach Angaben des CWA-Projektteams erfolgt die Datenspende anonym, Rückschlüsse auf eine Person ließen sich nicht ziehen. Die Privatsphäre der Anwender bleibe gewahrt. Unter anderem sollen die Daten Rückschlüsse auf das Pandemiegeschehen ermöglichen und etwa lokale Besonderheiten aufzeigen.

Der nun vorgelegten Auswertung zufolge spenden etwas weniger als 50 Prozent der Nutzer und Nutzerinnen der Corona-Warn-App ihre Daten über die Funktion. Davon entfallen etwas mehr Datenspenden auf iPhones als auf Android-Geräte (beide rund 6,1 Millionen). 30 Prozent der Spendenden haben eine Angabe zu ihrem groben Alter gemacht, fast zwei Drittel entfällt demnach auf die Gruppe der 30- bis 59-Jährigen, der Rest zu gleichen Teilen auf die Jüngeren und die Älteren. Bei der geografischen Verteilung gibt es einen klaren Ost-West-Unterschied, in den Alten Bundesländern wird pro Kopf bereitwilliger weitergegeben, insgesamt liegen urbane Gebiete deutlich vor ländlichen Regionen.

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Während die Zahl der Menschen, die über die Corona-Warn-App mögliche Kontaktpersonen gewarnt haben, bekannt ist, lässt sich die Zahl der Gewarnten aufgrund der datenschutzfreundlichen Infrastruktur auf diesem Weg nicht einsehen. Hier kommt die Datenspende zum Tragen, denn auch Daten zu erhaltenden Warnungen werden weitergegeben. Insgesamt wurden so seit Anfang März über 600.000 rote Warnungen registriert, sowie 1,5 Millionen grüne. Die vorgelegten Zahlen zum zeitlichen Verlauf spiegeln die pandemische Lage ungefähr wider, laufen den Corona-Zahlen aber voraus. Deutlich weniger Warnungen gab es demnach nach Check-Ins, hier wurden jeweils nur wenige Tausend registriert. Die Autoren des Berichts machen dafür unter anderem die Rechtslage verantwortlich, da die App vielerorts nicht zum Check-In genutzt werden dürfe.

Zu PCR-Tests auf Covid-19, die in der Corona-Warn-App registriert werden, gibt es demnach im Schnitt nach 21 Stunden ein Ergebnis, die Hälfte der Ergebnisse sei aber nach 12 Stunden vorhanden. Wer wiederum über die App eine Warnung erhalten hat und sich danach selbst hat testen lassen, hat den im Schnitt 3,6 Tage nach der Warnung registriert, auch hier war mehr als die Hälfte wieder deutlich schneller (1,8 Tage). Außerdem gebe es die Warnung im Schnitt 3,7 Tage nach der Risikobegegnung. Durchschnittlich seien eingetragene Tests auf Covid-19 ungefähr 6 Tage nach der Risikobegegnung in der Corona-Warn-App registriert worden, schreibt das Team noch. Das will als Nächstes die Zahl der aktiven Apps und Geräte genauer analysieren.

(mho)