BKA nutzt WhatsApp-Webfunktion zum Mitlesen bei Verdächtigen

Ermittler des BKA sollen die Webfunktion von WhatsApp genutzt haben, um Chats von Zielpersonen mitzulesen, brauchen dafür aber direkten Zugriff auf das Handy.

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(Bild: BigTunaOnline/Shutterstock.com)

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Das Bundeskriminalamt (BKA) soll sich die Webfunktion von WhatsApp zu Nutze gemacht haben. Unterlagen aus dem Ermittlungsverfahren gegen Magomed-Ali C., einen Terrorverdächtigen und Bekannten von Anis Amri, dem Breitscheidplatz-Attentäter, legen nahe, dass die Ermittler seinen Messenger mit einem eigenen Rechner synchronisiert haben, um die Chats mitzulesen.

Dem WDR und BR liegt ein internes Schreiben der Polizeibehörde vor, in dem es heißt: "Das BKA verfügt über eine Methode, die es ermöglichen kann, Text, Video-, Bild- und Sprachkurznachrichten aus einem WhatsApp-Konto in Echtzeit nachzuvollziehen." Auch die Kontakte einer Zielperson könnten darüber bekannt gemacht werden.

Es handelt sich dabei aber nicht um einen sogenannten Staatstrojaner, sondern schlicht eine Synchronisation des Messengers, für die die Ermittler zunächst einmal direkten Zugriff auf das freigeschaltete Handy eines Verdächtigen brauchen. Die Kommunikation via WhatsApp ist grundsätzlich verschlüsselt; ein Mitlesen über die Webfunktion von WhatsApp ist aber grundsätzlich jedem möglich, der einmal direkten physischen Zugriff auf das Smartphone eines Nutzers hatte.

Wie die Tagesschau berichtet, soll das BKA der Auffassung sein, es handele sich bei der Methode um eine Überwachung gemäß Paragraf 100a der Strafprozessordnung – und damit einer regulären Telekommunikationsüberwachung mit richterlicher Anordnung.

Um den Einsatz von Staats- oder Bundestrojanern und ähnliche Überwachungsmaßnahmen hingegen herrscht seit Jahren Streit. Behörden fordern mehr Einsicht und Befugnisse, Bürgerrechtsorganisationen warnen vor einer umfassenden Überwachung und einer "Big-Brother-Datenbank".

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Hinzu kommt Kritik, dass es ein zunehmendes Outsourcing von Überwachung durch die Polizei und Geheimdienste gibt – private Unternehmen wie Palantir, Amazon und Huawei bieten die entsprechende Software an. Wobei Amazon gerade erst erklärte, Polizei-Kooperationen bei der Gesichtserkennung auszusetzen. Ein Jahr lang steht sie nicht zur Verfügung. In dieser Zeit, so hofft Amazon, soll der US-Kongress einen regulierenden Rechtsrahmen für die Technologie schaffen.

Die c't hat bereits 2018 in einem Überblick zu Überwachungs-Apps im Handy darauf hingewiesen, dass sich per Browser-Zugriff verschafft werden kann.

(emw)