BR, NDR, WDR: "Facebook versagt im Kampf gegen rechte Hetze"

Nur wenige Klicks reichten aus, um in eine Welt menschenverachtenden Denkens abtauchen zu können, meinen Reporter der Sender.

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BR, NDR, WDR: "Facebook versagt im Kampf gegen rechte Hetze"

NDR, WDR und BR haben ihre Erkenntnisse in dem Web-Projekt "Hassmaschine" aufbereitet.

(Bild: BR)

Von
  • Andreas Wilkens

"In Facebook-Gruppen wird ungehindert rechtsextreme Hetze und Hassrede verbreitet", meinen die Rundfunkanstalten NDR, WDR und BR. "Die Maßnahmen, die das Unternehmen dagegen ergreift, reichen nicht aus."

Zu diesem Ergebnis kommen Reporter der Sender, nachdem sie nach eigenen Angaben 138 überwiegend geschlossene rechte Facebook-Gruppen ausgewertet haben. Darin hätten sie 2,6 Millionen Posts und Kommentare von 186.000 Nutzern aus den Jahren 2010 bis Ende 2019 gefunden, viele davon bestehend aus rechtsextremer Hetze und Hassrede.

Nachdem die Reporter einen Hinweis von einem Informanten bekommen hatten, zusammen mit einer Liste "problematischer Gruppen", erstellten sie mehrere erfundene Identitäten, mit denen sie den Gruppen beitraten, erläutert der NDR. 24 Gruppen waren öffentlich zugänglich, bei 114 geschlossenen Gruppen mussten die Reporter eine Zutrittsanfrage stellen, die ohne Prüfung der Identität erteilt wurde. Mit Scraping haben die Reporter sämtliche Posts und Kommentare einschließlich der Metadaten wie Verfasser und Datum bis hin zum Gründungszeitpunkt der Gruppen automatisch gespeichert und Screenshots angefertigt.

NDR, WDR und BR werfen Facebook vor, nicht nur unzureichend gegen auch kriminelle Hasspostings vorzugehen, sondern mit seinem Algorithmus auch dafür zu sorgen, dass Nutzern Gruppen mit derartigen Inhalten vorgeschlagen werden. Gruppen-Admins, die eigentlich dafür sorgen sollen, dass sich die Mitglieder an Facebooks "Gemeinschaftsstandards" halten, wirkten mitunter gar selbst an der Hetze mit.

Facebook setzt neben eigenen Moderatoren auch auf KI, um Hassrede auf die Spur zu kommen. Die Sender zitieren Facebook-Sprecher Klaus Gorny, laut dem es "ein extrem komplexes Feld" sei. "Sprache ist auch für künstliche Intelligenz nicht immer einfach, weil es sehr viele Nuancen gibt. Es kommt unglaublich auf den Kontext an. Das heißt, unsere Technik muss ständig dazulernen." Die Reporter wenden dagegen ein, dass rechtsextreme Inhalte leicht zu finden seien.

Laut Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) – gegen das sich Facebook bis zuletzt vehement gewehrt hatte, wie der NDR berichtet – müssen Betreiber sozialer Netzwerke Inhalte nur löschen, wenn sie Kenntnis davon erlangen. Das geschieht auch recht schnell, wie die EU-Kommission in einem aktuellen Bericht meint.

Der Bundestag hat vorige Woche das NetzDG verschärft. Damit weitet das Parlament die Bestandsdatenauskunft aus. Neben Name und Anschrift können Polizei und Geheimdienste damit auch Kennungen abfragen, mit denen der Zugriff auf Nutzerkonten, Endgeräte und auf davon räumlich getrennte Speichereinrichtungen etwa in der Cloud geschützt wird. (anw)