BSD-Livesystem: NomadBSD 1.4 mit Streaming-Clients und NetworkMgr

Das Entwickler-Team von NomadBSD hat die Version 1.4 veröffentlicht. Viele Verbesserungen machen das auf FreeBSD basierende Livesystem noch einfacher nutzbar.

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NomadBSD 1.4 stellt den einfachen Einstieg in die BSD-Welt dar. Es läuft portabel und daher ohne Modifikation der Festplatte von einem USB-Stick (prinzipbedingt sehr langsam!), lässt sich bei Gefallen aber auch dauerhaft auf Festplatte oder SSD installieren.

(Bild: Michael Plura)

Von
  • Michael Plura

NomadBSD ist ein vorkonfiguriertes LiveSystem mit grafischem Desktop und basiert auf FreeBSD 12.2-p4. Die aktuelle Version 1.4 bringt wichtige Verbesserungen bei der Erkennung von Grafikkarten und ermöglicht es per Klick über GNU/Linux-Browser, populäre Streaming-Medien zu nutzen.

Bislang hat NomadBSD erst nach der Installation – also beim ersten Start des auf Festplatte beziehungsweise SSD installierten Systems – versucht, die Grafikkarte zu erkennen und einzurichten. Mit NomadBSD 1.4 wird das nun bereits im Installer erledigt. In vielen Fällen funktioniert das recht gut. Falls nicht, wird auf der bei allen Grafikkarten vorhandene, rudimentäre VESA-Modus oder notfalls der generischen xf86-video-scfb (SCFB: SysCons FrameBuffer, ein Clone des WSFB aus NetBSD) zurückgeschaltet.

Bei Änderungen an der Systemkonfiguration startet die automatische Erkennung der Grafikkarte neu, was störend sein kann und sich daher im Boot-Menü abschalten lässt. Kleinere Probleme mit dem UEFI-Bootloader wurden behoben.

Da das Kernel-Modul "drm-legacy-kmod" für i386 obsolet ist, gibt es für diese 32-Bit-Plattform keine beschleunigten Grafikfunktionen mehr, die auf aktuellen Portierung von Linux-Treibern beruhen. Ältere native FreeBSD-Grafiktreiber für i386 samt ihrer Beschleunigungsfunktionen laufen natürlich weiterhin. Kleiner zusätzlicher Fix: Die Software-Einstellung für die Helligkeit des Displays wird nun über Neustarts hinweg gespeichert. Etwas ungewöhnlich ist über <F1> ein Wechsel des Window Managers oder Desktop Environments beim Start des Login-Managers SLiM möglich.

Bei der Partitionierung haben sich die Entwickler eine nette Idee einfallen lassen: Die Partition, die den ungenutzten Platz beim Partitionieren enthält, wird als /data ins Dateisystem eingebunden. Dorthin zeigen diverse Daten-Verzeichnisse wie /compat, /var/tmp, /var/db oder auch /usr/ports. Gerade das Ports-Verzeichnis zum Selbstcompilieren von Software platzt bei einer Standardinstallation oft aus allen Nähten.

Um sich während der Arbeit mit Netflix, Prime Video oder Spotify berieseln zu lassen, bietet NomadBSD 1.4 einen grafischen Installer für Linux-Browser wie Chrome, Brave und Vivaldi. Achtung: Um den Diensten DRM-Funktionen zu ermöglichen wird bei diesen Linux-Browsern eine komplette GNU/Linux-Runtime (rund 1 GByte) installiert. Die nativen FreeBSD-Browser benötigen dies nicht, stellen allerdings die für die Entertainment-Dienste benötigten DRM-Funktionen nicht vollständig zur Verfügung.

Der WiFi Networks Manager (wifimgr), für GTK+-GUIs und Xfce konzipiert, musste dem etwas eigensinnigen aber schicken NetworkMgr weichen, geschrieben in Python 3 und GTK. Lästiger Stolperstein: NetworkMgr benötigte zum Management der Netzwerkverbindungen "doas", die moderne und sichere OpenBSD-Alternative zu "sudo". Mit NomadBSD 1.4 und dem aktuellen NetworkMgr muss das alte "sudo" installiert werden, der Benutzer muss Mitglied der Gruppe "wheel" sein.

NomadBSD steht unter freier BSD-Lizenz und Version 1.4 eignet sich, um mutig einmal über den GNU-/Linux-/Windows-Tellerrand zu gucken. Das System basiert auf dem Standard-FreeBSD und lässt sich genau wie dieses administrieren und benutzen. Die knapp 5 GByte großen Images für USB-Sticks für die Plattformen amd64, i386 und mac stehen auf der Projektseite zur Verfügung. Dort findet sich auch ein englisches Handbuch. Tipp: Wer NomadBSD 1.4 in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox ausprobieren will, muss zunächst aus dem USB-Stick-Image ein Image für ein VirtualBox-Laufwerk machen. Wie das geht, beschreibt das NomandBSD-Handbuch. Um tiefer in FreeBSD und damit NomadBSD einzusteigen, empfiehlt sich ein Blick in das offizielle deutsche FreeBSD-Handbuch.

(mho)