BWI​: IT bis an die Schnittstelle zu Waffensystemen​

Das Unternehmen BWI kümmert sich um Bundeswehr-IT. Mit 1,3 Milliarden Euro Umsatz und 6.500 Beschäftigten ist es eins der größten Systemhäuser Deutschlands.

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(Bild: Gorodenkoff/Shutterstock.com)

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  • Peter Ilg

Wie im zivilen Leben läuft auch in der Bundeswehr nichts mehr ohne IT. "Die Luftwaffe muss mit den Landstreitkräften und der Marine zusammenwirken können, und auch die Cyberkräfte müssen ihre Effekte entfalten", sagt Generalleutnant Michael Vetter, Abteilungsleiter Cyber- und Informationstechnik sowie Chief Information Officer im Bundesministerium der Verteidigung. Moderne Streitkräfte sind vernetzt, und das erfordert digitale Lösungen. "Wer nicht digitalisiert, verliert", sagt Vetter. Den Krieg und im wirtschaftlichen Wettbewerb.

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Die BWI ist das IT-Systemhaus der Bundeswehr. Es betreibt und entwickelt gemeinsam mit der Bundeswehr das IT-System der deutschen Streitkräfte und unterstützt die digitale Transformation der Bundeswehr. IT für Waffensysteme entwickelt das Unternehmen nicht, die werden von den Herstellern der Waffensysteme geliefert oder von der Bundeswehr selbst erstellt. "Unsere Lösungen reichen bis zu den Schnittstellen beispielsweise an den Waffensystemen", sagt Christian Marwitz, Leiter Shared Service Delivery. Er verantwortet mit seinen rund 3.600 Mitarbeitern die Entwicklung und Bereitstellung von IT-Services, den Betrieb der IT und den Service-Desk. Die BWI hat rund 200.000 Anwender bei der Bundeswehr, die setzen sich zusammen aus Mitarbeitern der Streitkräfte und der zivilen Bundeswehrverwaltung.

Ein aktuell sehr großes Projekt ist die flächendeckende Einführung von Groupware an allen Arbeitsplätzen der Bundeswehr. Die besteht aus E-Mail, Collaboration, Telefonie und Video. Bislang nutzt sie Lotus Notes. Ein anderes Projektteam betreibt den Aufbau einer privaten Cloud, damit die Bundeswehr digitale Souveränität bekommt. Während die Einführung der Groupware eine gewaltige Massenaufgabe bei der Vielzahl an Anwendern ist und sich nicht darin unterscheidet, wenn ein privates Unternehmen diese Anwendungen einführt, ist die private Cloud ein komplexes und kundenspezifisches Projekt. Die beiden Beispiele zeigen die Bandbreite an Aufträgen des BWI von ihrem Kunden Bundeswehr.

Die BWI wurde 2006 von dem Trio Bundeswehr, IBM und Siemens als Gemeinschaftsunternehmen mit dem Ziel gegründet, das nichtmilitärische IT-System der Bundeswehr zu standardisieren, zu zentralisieren und fast vollständig zu erneuern. Herkules, wie die Aufgabe hieß, war und ist eines der größten IT-Konsolidierungs- und Modernisierungsprojekte Deutschlands. Das Namenskürzel BWI steht für "Bundes-Wehr und Industrie". Ende 2016 stiegen die beiden Industriepartner aus, seitdem ist die BWI ein Unternehmen der Bundesrepublik Deutschland, das in Form einer GmbH geführt wird. Kritik vom Bundesrechnungshof kassierte das Unternehmen allerdings auch schon.

"In dieser Rechtsform haben wir unternehmerische Freiheiten, sind aber als Bundesunternehmen mit starkem Fokus auf die Bundeswehr nicht dem vergleichbaren Marktdruck der übrigen freien Wirtschaft ausgesetzt", sagt Katrin Hahn, Mitglied der Geschäftsführung und zuständig für Finanzen, Beschaffung, Infrastruktur und Personal.

Die BWI hat im vergangenen Jahr rund 1,3 Milliarden Euro mit 6.500 Beschäftigten umgesetzt. Das Unternehmen liegt damit unter den Top 5 der deutschen IT-Systemhäuser. In Rankings taucht die BWI zwar selten auf, ein Problem scheint das bei Neueinstellungen aber nicht zu sein. "Seit einigen Jahren sind wir auf Bewerbermessen und in den sozialen Netzwerken sehr präsent. Dabei ist es uns offensichtlich geglückt, unseren Bekanntheitsgrad so zu stärken, dass es uns gelingt, neue Mitarbeiter zu gewinnen", sagt Hahn. In den vergangenen beiden Coronajahren wurden etwa 1.800 Mitarbeiter eingestellt, davon waren zwei Drittel IT-Fachkräfte. Das sind bemerkenswerte Zahlen in Zeiten des beachtlichen Fachkräftemangels.

Die BWI hat ihre Zentrale in Meckenheim, 20 Kilometer südlich von Bonn und damit ganz in der Nähe ihres Auftraggebers, dem Verteidigungsministerium. Das hat noch seinen ersten Dienstsitz in der alten Hauptstadt. Andere große Standorte sind die neue Hauptstadt Berlin, München und Hannover. "An unseren 15 größten Standorten arbeitet 80 Prozent unserer Belegschaft. Die übrigen sind über kleine Liegenschaften, beispielsweise Kasernen, verteilt", sagt Hahn.

Deren Entlohnung erfolgt nicht nach dem Vergütungssystem des öffentlichen Dienstes, das häufig unter dem der freien Wirtschaft liegt. "Wir haben unser eigenes Gehaltssystem, das wir regelmäßig mit den Einkommen in anderen IT-Unternehmen benchmarken, bei Bedarf angleichen, um wettbewerbsfähig zu sein", sagt Hahn. Zur BWI passen nach ihrer Aussage "Mitarbeitende mit der Mentalität zur Veränderung mit Ausdauer". Das Unternehmen ist kein Start-up, sondern eine Firma mit klassischen Strukturen und einem anspruchsvollen Kunden.

Ein großer Teil der Arbeit des BWI ist der Betrieb der IT der Bundeswehr. Doch das Unternehmen wandelt sich vom IT-Serviceprovider hin zum IT-Systemhaus, das ein Consulting aufgebaut hat und Integrationsprojekte betreibt. Dieses Volumen ist zwar kleiner als der IT-Betrieb, seine strategische Bedeutung jedoch höher. Ein Beispiel dafür ist die Digitalisierung landbasierter Operationen, für die Daten ein gläsernes Gefechtsfeld schaffen sollen.

Die beiden wesentlichen Besonderheiten an Projekten für die Bundeswehr sind IT-Sicherheit und die Bandbreite an Anforderungen. "Weil wir die Sicherheitsanforderungen der Bundeswehr und die der Verwaltung berücksichtigen müssen, ist IT-Sicherheit bei uns im Arbeitsalltag stark ausgeprägt", sagt Marwitz. Die Bandbreite an IT-Lösungen ist groß. Sie umfasst etwa Gesundheitsversorgung, Logistik, Ämter, Universitäten. "Manche unserer Mitarbeitenden brauchen mitunter tiefes und weitreichendes Verständnis für die Geschäftsprozesse unseres Kunden, um optimale Lösungen entwickeln zu können", sagt Marwitz.

Wer IT für die Logistik entwickelt, muss nicht nur wissen, wie Logistik funktioniert, sondern auch, was transportiert wird. Bei der Bundeswehr ist das auch Munition. Und wer in Projekten für die Marine arbeitet, muss wissen, wie über längere Zeiträume von den Schiffen Verbindungen zu Systemen an Land stabil und zuverlässig aufgebaut und aufrechterhalten werden können.

Marwitz kennt die Bundeswehr gut. Er ist Offizier und hat nach seinem Dienst beim BWI angefangen. Leute wie er sind aber eine Minderheit im Unternehmen. Die meisten müssen sich in die Prozesse ihres Auftraggebers einarbeiten. Das ist im BWI nicht anders als in anderen IT-Systemhäusern.

(axk)