Balkonkraftwerke: Einfacher Strom aus Eigenfertigung – lohnt sich der Aufwand?

Solarstrom direkt in die Steckdose: Zu gut, um wahr zu sein? c't 3003 beleuchtet, wie einfach sich Balkonkraftwerke wirklich installieren lassen.

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(Bild: Shutterstock; wavebreakmedia)

Von
  • Jan-Keno Janssen
  • Daniel Herbig

Strom wird teurer, der Verbrauch ist groß: 2.828 Kilowattstunden (kWh) hat ein deutscher Haushalt im Jahr 2021 durchschnittlich aus dem Netz bezogen, bei aktuellen Strompreisen landet man damit bei vierstelligem Kosten pro Jahr. Umso sinnvoller scheint es, den Strom selbst aus Solarenergie zu gewinnen. Mit sogenannten "Balkonkraftwerken" gelingt das auch in Eigenregie. Aber ist das wirklich so einfach?

Im Video von c't 3003 besprechen die c't-Redakteure Jan-Keno Janssen und Jan Mahn die Vorzüge von Balkonkraftwerken und zeigen, wo mögliche Stolpersteine beim Einsatz lauern. Denn auch wenn der technische Aufbau simpel ist, muss einiges berücksichtigt werden.

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So haben beispielsweise der Vermieter oder die Vermieterin ein Mitspracherecht, wenn das Balkonkraftwerk sichtbar außen am Balkon befestigt werden soll. Außerdem muss der Betrieb einer steckerfertigen Photovoltaikanlage, wie die offizielle Bezeichnung lautet, an den Netzbetreiber mitgeteilt werden. Ist ein Ferraris-Zähler im Einsatz, muss dieser vom Netzbetreiber ausgetauscht werden.

Manche Netzbetreiber stören sich außerdem an dem Schuko-Stecker, über das der Strom des Solarpanels ins Netz gespeist wird – sie sprechen von Gefahr für Nutzerinnen und Nutzer. Tatsächlich verhindert der NA-Schutz allerdings, dass beim gezogenen Stecker noch Spannung anliegt. Trotz der Diskussionen spricht aus technischer Sicht also nichts dagegen, ein Balkonkraftwerk mit einem Schuko-Stecker ans Netz anzuschließen.

Zum Balkonkraftwerk gehört neben den Solarmodulen auch ein Wechselrichter, der bis maximal 600 Watt ausgelegt sein darf, um sich für die vereinfachten Bedingungen zu qualifizieren. Es ist aber möglich, den 600-Watt-Wechselrichter überzubelegen, also etwa mit zwei Panels zu 400 Watt zu verbinden, um bei geringerer Sonneneinstrahlung dennoch möglichst viel Energie zu bekommen.

Für ein Solarmodul mit 300 Watt muss man etwa 250 Euro einplanen, ein Wechselrichter mit 300 Watt schlägt mit zusätzlich 200 Euro zu Buche. In Komplettpaketen gibt es Balkonkraftwerke teilweise allerdings vergünstigt. Zusätzlich für den Kosten für das Balkonkraftwerk selbst muss man noch mit Ausgaben für das Befestigungsmaterial rechnen. Ein Komplettpreis für eine Anlage mit 600 Watt liegt etwa bei 700 Euro.

Die Installation eines Balkonkraftwerks lohnt sich also vor allem dann, wenn man geschickt plant: Wer um 12 Uhr bei Mittagssonne die Waschmaschine durchlaufen lässt, verhindert übermäßiges Versickern der Überproduktion im Stromnetz. Für Home-Office-Arbeiter, Smart-Home-Fans und andere Vielverbraucher bietet sich ein Balkonkraftwerk also eher an als für Personen, die nur wenig verbrauchen. Pro Jahr kann man mit einem Balkonkraftwerk unter guten Bedingungen rund 90 bis 100 Euro an Stromkosten sparen.

c't 3003 ist der YouTube-Channel von c't. Die Videos auf c’t 3003 sind eigenständige Inhalte und unabhängig von den Artikeln im c’t magazin. Redakteur Jan-Keno Janssen und die Video-Producer Johannes Börnsen und Şahin Erengil veröffentlichen jede Woche ein Video.

Videotranskript

Wusstet ihr, dass man einfach ein Solarmodul an den Balkon hängen kann und das einfach in eine normale Steckdose stecken -- und dann erzeugt man Strom? Ohne dass man irgendwelche zusätzlichen Stromzähler oder Verträge oder sonstwas braucht? Wusste ich vorher auch nicht. In diesem Video habe ich mir mal so ein Balkonkraftwerk genauer angeschaut und meinen Kollegen Jan mit ganz vielen doofen Fragen zur Strom-Selbsterzeugung gelöchert. Bleibt dran.

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Strom wird teuer! Wer heute einen neuen Stromvertrag abschließen muss, zahlt teilweise doppelt so viel wie im letzten Jahr für eine Kilowattstunde. Die Gründe kennen wir alle: Wir sind abhängig von Gas, Kohle und Öl -- dessen Verbrennung dummerweise auch noch den Klimawandel anheizt. Und natürlich sind viele Länder, die uns das Zeug verkaufen, nicht gerade wohlmeinende Demokratien. Doofe Situation.

Dabei könnte man doch mit Solarmodulen einfach Strom selbst erzeugen, ganz sauber, ganz ohne CO2-Ausstoß. Tolle Sache, danke, liebe Sonne. Was aber zum Beispiel mich bislang immer davon abgehalten hat: Ich wohne zur Miete, habe also kein eigenes Dach und außerdem dachte ich auch immer, dass das saumäßig kompliziert ist, mit irgendwelchen komischen Anträgen und auf Genehmigungen warten und so weiter und so fort. Tja, stimmt das womöglich gar nicht, ist das überhaupt nicht so kompliziert? Denn es gibt ja das: BALKONKRAFTWERK.

Was die Hersteller von solchen Balkonkraftwerken versprechen, klingt fast ein bisschen zu schön: Einfach in die Steckdose gesteckt und schon fließt grüner Strom in die Wohnung, der Zähler dreht langsamer und ich muss weniger zahlen. Aber ist das wirklich so einfach? Und ist das legal?

Ja, absolut, das sagen jedenfalls die Fans dieser Balkonkraftwerke: Laut ihnen darf jeder Mensch eine Solaranlage bis 600 Watt Spitzenleistung einfach in die Steckdose stecken. Steckerfertige Photovoltaikanlage heißt das offiziell, aber eingebürgert hat sich inzwischen eigentlich "Balkonkraftwerk". Etwa 700 Euro soll ich dafür auf den Tisch legen.

Ja, und 600 Watt sind gar nicht mal so wenig. Ich hab mal geschaut, was ich tagsüber so an Strom aus der Leitung ziehe: Also mit Kühlschrank, Internet und dem ganzen Smart-Home-Geraffel hab ich schonmal eine Grundlast von so ca. 100 Watt. Und wenn Rechner, Kaffeemaschine und Massagestuhl an sind, wirds natürlich entsprechend mehr. Aber 600 Watt vom Balkonkraftwerk reichen auf jeden Fall aus, dass ich zeitweise -- also wenn die Sonne scheint -- gar keinen Strom von meinem Stromlieferanten kaufen muss.

Also, wenn das wirklich so einfach wäre, warum haben dann nicht alle so ein Balkonkraftwerk? Wo ist der Haken? Das habe ich meinen c't-Kollegen Jan Mahn gefragt --- der beschäftigt sich schon lange intensiv mit Balkonkraftwerken und hat mir sogar mal eins mitgebracht.

Interview

Ja, krass alles. Mein Interesse ist auf jeden Fall geweckt, ich hätte gerne so ein Teil, wie ist das bei euch? Interessiert euch das Thema überhaupt? Sollen wir mehr Videos zur Do-it-Yourself-Stromproduktion machen? Schreibts in die Kommentare. Und ich überlege jetzt mal, wie ich meinen Vermierter überzeugt kriege, mir so ein Ding an den Balkon zu hängen. Tschüs!

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(jkj)