Barbados gründet die erste Metaverse-Botschaft der Welt

Die Karibikinsel hat mit der Metaverse-Plattform Decentraland eine Vereinbarung für den Bau der ersten Virtual-Reality-Botschaft der Welt getroffen.

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(Bild: metamorworks/Shutterstock.com)

Von
  • Andreas Knobloch

Barbados beschreitet neue Wege und wird als erstes Land der Welt eine offizielle Botschaft im Metaversum eröffnen. Das Außenministerium des Karibikstaats unterzeichnete am 14. November eine entsprechende Vereinbarung mit Decentraland, einer der weltweit führenden Blockchain-Metaverse-Plattformen, um "die grundlegenden Entwicklungselemente für seine Metaverse-Botschaft zu skizzieren".

Metaverse ist zu einem Schlagwort für die Zukunft des Internets geworden, insbesondere nachdem der Social Media-Konzern Facebook sich im vergangenen Monat in "Meta" umbenannte. Der Begriff "Metaverse" stammt ursprünglich aus dem Science-Fiction-Roman "Snow Crash" aus dem Jahr 1992. Dort bezeichnet er eine virtuelle Realität, in der Menschen als dreidimensionale Avatare miteinander interagieren. Man kann sich Metaverse als einen kollektiven virtuellen Raum vorstellen, der alle Teilnehmer miteinander vernetzt.

"Barbados freut sich darauf, die Welt in seiner Meta-Botschaft willkommen zu heißen", sagte Jerome Walcott, der Außenminister des Landes. Die Metaverse-Botschaft von Barbados stehe im Zentrum der Aktivitäten, "um das Wachstum stärkerer bilateraler Beziehungen mit Regierungen auf der ganzen Welt zu fördern". Die Eröffnung der Botschaft ist vorläufig für Januar 2022 geplant. In der "realen" Welt hat Barbados weniger als 20 diplomatische Vertretungen und plant, weiterhin physische Botschaften einzurichten und zu unterhalten.

Das Außenministerium und andere Regierungsstellen haben die Pläne über mehrere Monate hinweg geprüft. Der Kauf von virtuellem Land wurde im August vom Kabinett genehmigt. Laut der Onlineplattform CoinDesk schließt die Regierung von Barbados auch Vereinbarungen mit Somnium Space, SuperWorld und anderen Metaverse-Plattformen ab. Im Rahmen der verschiedenen Projekte sollen Grundstücke identifiziert und erworben, virtuelle Botschaften und Konsulate errichtet, Einrichtungen für "e-Visa" und andere konsularische Dienstleistungen entwickelt und ein "Teleporter" gebaut werden, mit dem Nutzer ihre Avatare zwischen verschiedenen digitalen Welten hin- und herbewegen können.

Einer der Köpfe hinter der Idee einer Virtual-Reality-Botschaft ist der Botschafter von Barbados in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Gabriel Abed. Abed ist auch Mitbegründer und CEO des Krypto-FinTech-Unternehmens Britt, das hinter der Entwicklung des ersten digitalen Zentralbankgeldes in Afrika, Nigerias eNaira, stand.

Gegenüber CoinDesk sagte Abed, dass seine Regierung den Schritt als eine einzigartige diplomatische Gelegenheit ansieht. "Dies ist eine Möglichkeit für Barbados, seine diplomatischen Vertretungen über die 18 hinaus zu erweitern, die es derzeit mit über 190 Ländern auf der ganzen Welt unterhält. So können wir die Tür öffnen, indem wir die Technologiediplomatie nutzen, um sie dann auf die Kulturdiplomatie – den Austausch von Kunst, Musik und Kultur – auszudehnen." Abed fügte hinzu, dass die Botschaft "e-Visa" ausstellen werde und sich an internationales Recht und das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen halten wird.

Barbados versucht sich seit einiger Zeit als weltweites Zentrum für digitale Transformation und technologische Innovation neu zu positionieren. Der Inselstaat ist eines der kryptowährungsfreundlichsten Länder der Welt und war federführend bei der Entwicklung einer digitalen Währung namens DCash, die derzeit in vier der acht Mitgliedsländer der Ostkaribischen Währungsunion eingeführt wird.

(akn)