Bayern führt neue Videokonferenzlösung Visavid für alle Schulen ein

Visavid ist eine bisher eher unbekannte und neue Videokonferenzsoftware. Bayern hat dem Unternehmen den Zuschlag für alle Schulen des Landes gegeben.

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(Bild: insta_photos/Shutterstock.com)

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  • Eva-Maria Weiß

Bayern kündigt an, dass ab Ende April alle Schulen – explizit auch Grundschulen – die Videokonferenzlösung Visavid nutzen sollen. Microsoft Teams, für das vom Kultusministerium Lizenzen gestellt werden, kann noch mit einer Übergangsfrist bis zum Sommer weiter genutzt werden. Die Nutzung der US-Software wurde aus datenschutzrechtlichen Gründen kritisiert. Allerdings war zunächst auch bei Visavid vieles noch unklar.

Die Software stammt von einem Unternehmen namens Auctores GmbH, das in Neumarkt (Bayern) sitzt, und ist bisher noch kaum in Erscheinung getreten. Bei dem Versuch, einen Testaccount anzulegen, ist am Freitagnachmittag eine Fehlermeldung erschienen, mit dem Hinweis, dass der Zugriff verweigert wurde.

In der Mitteilung des bayerischen Kultusministeriums erklärt Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler): "Visavid ist ein benutzerfreundliches, maßgeschneidertes und datenschutzkonformes Videokonferenztool für unsere Schulen." Es sei leicht zu bedienen und das ganz ohne Installation, also im Browser. Die Datenverarbeitung findet ausschließlich in Rechenzentren der EU statt – dies sei garantiert. Es sind demnach keine selbst gehosteten Server.

Schaut man in die Datenschutzerklärung von Visavid, steht dort unter dem Abschnitt, der auf das Produkt bezogen ist, dass Daten unter "Wahrung der berechtigten Interessen von uns oder Dritten" verarbeitet werden können – ein darauffolgendes Beispiel für berechtigte Interessen ist "Werbung und Marketing". In einem weiteren Absatz wird erklärt: "Der Verwendung Ihrer personenbezogenen Daten für Werbezwecke können Sie jederzeit insgesamt oder für einzelne Maßnahmen widersprechen, ohne dass hierfür andere als die Übermittlungskosten nach den Basistarifen entstehen." Das Land Bayern kann einen Sondervertrag abgeschlossen haben, mit anderen Konditionen.

Für reguläre Nutzerinnen und Nutzer gibt es in der Datenschutzerklärung auch den Hinweis auf Standardvertragsklauseln, die bei einer eventuellen Datenübermittlung an Drittländer als Grundlage dienen. Auf diese berufen sich auch andere Unternehmen. Sie regeln die Übertragung bei gleichen Datenschutzstandards. Ob dies etwa bei den USA und der EU gegeben ist, ist mindestens fragwürdig.

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[Update 16.04.2021 19.25 Uhr] Das Kultusministerium erklärt auf Nachfrage von heise online, dass für den Schulbetrieb eine Auftragsverarbeitung für die jeweilige Schule vorgesehen ist. Die Datenverarbeitung zu eigenen Zwecken ist bei dem Angebot der Auctores GmbH für das StMUK ebenso wie die Datenübertragung in Drittländer ausgeschlossen.

"Die auf Onlineanwendungen spezialisierte Auctores GmbH hat sich mit ihrem Videokonferenztool Visavid in einem EU-weiten, offenen Vergabeverfahren durchgesetzt."

Zudem erklärt Auctores, dass die Registrierung für Testaccounts deaktiviert wurde. Dies sei voraussichtlich ab dem 28.4.2021 wieder möglich. Kostenlose Zugänge können zur Verfügung gestellt werden, allerdings nicht im Self-Service.

(emw)