Bericht: Amazon investiert in Software zur Analyse von Gewerkschaftsaktivitäten

Der Online-Händler gibt einem Bericht zufolge hunderttausende Dollar für Software aus, die Risiken von Unwetter bis Gewerkschaften analysieren helfen soll.

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Amazon will mit neuem Analyse Werkzeug gegen Gewerkschaftsgründungen vorgehen

(Bild: Ioan Panaite/Shutterstock.com)

Von
  • Wilhelm Drehling

Amazon setzt einem Medienbericht zufolge eine Software zur Überwachung von Gewerkschaftsaktivitäten ein. Das geht aus einem internen Dokument hervor, das dem US-Magazin Recode vorliegt. Demnach investiert Amazon hunderttausende US-Dollar in eine Software, die bei der Analyse unterschiedlicher Unternehmensrisiken von Kriminalität über Wetterereignisse bis Gewerkschaftsaktivitäten helfen soll.

Von den rund 40 in dem Dokument aufgeführten Analysebeispielen gehe es bei mehr als der Hälfte um Gewerkschaften, heißt es in dem Bericht. Das Analyse-Werkzeug namens "geoSPatial Operating Console", kurz SPOC, soll demnach unter anderem Daten hinsichtlich der Gewerkschaftsbewegung bei der Amazon-Tochter Whole Foods Market und der Anwesenheit von Gewerkschaftsvertretern analysieren. Weitere Aspekte seien Überstunden und Arbeitsunfälle.

Ein ehemaliger hochrangiger Personalleiter von Amazon hält das Vorgehen zumindest teilweise für einen Versuch, die gewerkschaftliche Organisation der Mitarbeiter zu vermeiden. Mit der Software könne die finanzielle Stärke von regional zuständigen Gewerkschaften und der Erfolg von Gewerkschaftskampagnen analysiert werden, erklärte er gegenüber Recode.

Amazon wird vorgeworfen, die Arbeit von Gewerkschaften zu behindern. Erst Anfang September hatte das Unternehmen in einer Stellungsanzeige einen "Intelligence Analyst" gesucht, dessen Tätigkeitsprofil auch die Analyse von Gewerkschaftsaktivitäten umfassen sollte. Die Stellenanzeige wurde gelöscht, nachdem US-Medien darüber berichtet hatten.

Eine Amazon-Sprecherin erklärte, dass "Amazon das Recht der Arbeitnehmer schützt, einer Gewerkschaft beizutreten ohne die Angst zu haben, von Amazon gekündigt oder benachteiligt zu werden." Während Versuche der gewerkschaftlichen Organisation der Mitarbeiter in den US-Auslieferungslagern in der Vergangenheit gescheitert waren, sind Gewerkschaften für Amazon in Europa Alltag.

In Deutschland ist Amazon in einen langjährigen Tarifstreit mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verstrickt. Erst im Juli legten 2000 Amazon Mitarbeiter erneut ihre Arbeit nieder. Seit Mai 2013 wird beim Online-Händler immer wieder gestreikt, bisher jedoch ohne Einigung. Im Kern geht es um die Streitfrage, welcher Tarifvertrag für die Amazon-Mitarbeiter gilt. Amazon bezahlt nach dem Tarif für die Logistikbranche, die Gewerkschaften fordern die höheren Löhne des Einzelhandels.

(wid)