Bericht: Discord lehnt Microsofts Übernahmeangebot ab

Microsofts Gebot von 10 Milliarden Dollar war Discord nicht genug. Der vor allem bei Gamern beliebte Messenger will unabhängig bleiben und strebt an die Börse.

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Ein bärtiger Mann und ein Knabe beim Computerspielen

(Bild: Davuja/Shutterstock.com)

Von
  • Frank Schräer

Discord hat die Übernahmegespräche mit Microsoft beendet und das Angebot abgelehnt, berichtet das Wall Street Journal. Der Messenger-Dienst will stattdessen an die Börse gehen. Die Gespräche waren vor rund einem Monat aufgenommen worden. Microsoft soll mehr als 10 Milliarden US-Dollar für Discord geboten haben.

Microsoft war nicht der einzige Interessent. Laut Wall Street Journal waren mindestens drei andere Unternehmen an Übernahmegesprächen mit Discord interessiert. Zuvor hatte Discord nach Angaben Bloombergs auch mit Amazon und Epic Games gesprochen. Auch wenn die Gespräche mit Microsoft über das 10-Milliarden-Angebot zunächst beendet sind, ist eine Rückkehr an den Verhandlungstisch nicht ausgeschlossen.

Discord hat seine monatlichen Nutzerzahlen letztes Jahr auf rund 140 Millionen verdoppelt, zumal sich das Leben in Pandemiezeiten zunehmend online abspielt. 2020 erzielte Discord 130 Millionen Dollar Umsatz, fast dreimal so viel wie 2019. Allerdings arbeitet der Messenger-Dienst immer noch nicht profitabel.

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Letzten Monat hat Discord Tomasz Marcinkowski als seinen ersten Finanzdirektor eingestellt, was als Vorbereitung auf einen Börsengang angesehen wird. Marcinkowski kommt von Pinterest, wo er nach fünf Jahren als Finanzchef auf deutliches Wachstum verweisen kann. Pinterest ist im April 2019 an die Börse gegangen.

Discord wurde von Jason Citron und Stan Vishnevskiy entwickelt und 2015 für die Öffentlichkeit freigegeben. Anfangs handelte es sich dabei um eine Plattform, auf der vor allem Gamer kommunizierten – nicht nur während des Spielens selbst. Verfügbar sind Text-, Sprach- und Videochats. Zentral sind dabei kleine Gemeinschaften, in denen sich Nutzer und Nutzerinnen je nach Interesse zusammenschließen können. Auch heise online betreibt eine solche Discord-Community. Die Zielgruppe ist inzwischen nicht mehr auf Gaming beschränkt.

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Eine Übernahme Discords hätte zu Microsofts Ökosystem rund um die Xbox-Konsolen gepasst. Der US-Konzern kauft schon seit Längerem erfolgreiche Internetangebote, die große Nutzergemeinden aufweisen. 2016 hat Microsoft das Business-Netzwerks LinkedIn für mehr als 26 Milliarden US-Dollar übernommen, 2018 folgte für 7,5 Milliarden US-Dollar die Softwareentwicklungs-Plattform GitHub.

Milliardenschwere Übernahmeangebote für die Video-App TikTok und die Online-Pinnwand Pinterest sind in den vergangenen Monaten jedoch gescheitert. Microsoft zielt wohl unter anderem darauf ab, große Online-Communitys auf die eigene Azure-Plattform zu bringen, auch um Nutzungsdaten für andere Geschäftsbereiche ernten zu können.

(fds)