Bericht: Ex-Entwicklungschef soll Qualcomm um 150 Mio. US-Dollar betrogen haben

Hat Qualcomm 150 Mio. Dollar für Technologien bezahlt, die es bereits besaß? Jetzt wurde ein ehemaliger Entwicklungschef wegen Betrugs und Geldwäsche verhaftet.

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(Bild: Sundry Photography/Shutterstock.com)

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  • Jobst-H. Kehrhahn

Wem gehört eine Erfindung, wenn sie während der Zeit entsteht, bei der man bei einer Firma angestellt ist? Meist dem Arbeitgeber – so steht es in vielen Arbeitsverträgen und wohl auch in dem eines Ex-Entwicklungschefs des Chip-Giganten Qualcomm. Der soll laut einem Bericht der LA Times im Rahmen seiner Tätigkeit heimlich eine schnellere Methode zur Bewertung von Mikroprozessoren entwickelt haben. Statt sie aber vertragsgemäß Qualcomm zu überlassen, habe er als Erfinderin seine Schwester angegeben und als vermeintlich vermarktende Firma ein Start-up aufgezogen, an dem er und andere Mitbeschuldigte verdeckt beteiligt gewesen sein sollen. Dieses Start-up habe Qualcomm dann auf seine Empfehlung hin inklusive der entsprechenden Patente im Oktober 2015 für 150 Millionen US-Dollar gekauft.

Insgesamt beschuldigt die Anklageschrift (Az. 22-CR-1152-BAS) vier Personen, denen sie neben Betrug auch Geldwäsche vorwirft. Sollte das Gericht der Anklage folgen, könnte es für die Beschuldigten teuer werden: Die Pressemeldung der kalifornischen Staatsanwaltschaft nennt eine mögliche Höchststrafe von 20 Jahren Gefängnis, Geldstrafen in Höhe von 250.000 US-Dollar und 500.000 US-Dollar für die Geldwäsche. Die aus den Delikten entstandenen Vermögenswerte würden eingezogen.

Qualcomm selbst wird in der Pressemeldung des U.S. Attorney’s Office des Southern District of California explizit nicht genannt, dafür aber von der LA Times. Zudem scheinen die Vorwürfe zumindest juristisch nicht unbestritten zu sein. Denn Qualcomm soll die Beschuldigten laut LA Times bereits im Jahr 2017 verklagt haben, aber die Klage soll Ende 2018 ohne Verurteilung abgewiesen worden sein. Warum es jetzt zu einer erneuten Anklage und auch zu Verhaftungen gekommen sein soll, geht aus den veröffentlichten Meldungen nicht hervor.

(keh)