Verlage verärgert über Link-Kaperei von Apple News+

Apples vorinstallierte News-App jagt dem Browser künftig bestimmte Links ab. Die Änderung sei grenzwertig, heißt es bei Verlagshäusern – man fürchte Einbußen.

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(Bild: Photo Kozyr/Shutterstock.com)

Von
  • Leo Becker

Eine Änderung bei der Handhabung von Links in iOS 14 und macOS 11 hat Apples Partner aus der Verlagsbranche aufgeschreckt. Der iPhone-Konzern habe im Vorfeld nicht mitgeteilt, dass bestimmte Links zu Nachrichteninhalten und Artikeln künftig in der auf iPhones, iPads und Macs vorinstallierten App "News" geöffnet werden – statt im Browser, wie US-Verlage Medienberichten zufolge bemängeln.

Die unangekündigte Änderung habe zu Verärgerung geführt und werde von manchen Verlagen als "fragwürdig" bis hin zu möglicherweise "illegal" eingestuft, wie das Branchenmagazin Digiday berichtet. Man fürchte dadurch letztlich Umsatzeinbußen, da sich die Inhalte in der Apple-App "News" schlechter vermarkten lassen würden als auf der eigenen Website, wie drei große, international tätige Verlage gegenüber Ad Age erklärten.

Nachdem das für News+-Abonnenten geänderte Link-Verhalten für Aufsehen sorgte, teilte Apple mit, die Änderung sei gewollt – und lasse sich abschalten. Standardmäßig ist sie derzeit aktiviert. Es solle das Erlebnis für Abonnenten verbessern und bringe auch Verlagen "erhöhte Nutzungs- und Umsatzchancen". Wie die Apple-Betriebssysteme entscheiden, welche Links in der App "News" geöffnet werden, ist weiterhin unklar. Da die News-App in iOS auch RSS-Feeds (die URL-Schemata rss:// und feed://) kapert, aber nichts damit anfangen kann, sehen sich Entwickler von Feedreadern im Nachteil.

Die Zeitschriften- und Zeitungs-Flat News+ kostet 10 US-Dollar pro Monat, Apple behält Berichten zufolge 50 Prozent davon ein, die anderen 50 Prozent werden an Verlage ausgeschüttet – aufgeteilt nach der Zeit, die Leser mit den jeweiligen Inhalten verbringen. In Deutschland wird der Abo-Dienst News+ nicht angeboten, die Apples App "News", die auch werbefinanzierte Inhalte zeigt, wird vom System versteckt.

Wichtige Zeitungen wie die Washington Post und die New York Times sind dem Abo-Dienst News+ ferngeblieben, die New York Times hat sich zudem auch aus dem kostenlosen Teil von "Apple News" zurückgezogen. Das Wall Street Journal, dessen Inhalte auch über News+ verfügbar sind, erklärte jüngst, man erreiche dort eine "ganz andere Leserschaft" – und wolle dem Apple-Dienst treu bleiben. (lbe)